Dauerkurve von Konstanz ins Aostatal und zurück…

Endlich! Die erste längere Motorradtour steht an. Und zwar mit meinen Jungs, die mit mir jedes Jahr ein paar Stunden auf dem Hobel verbringen. Ohne S. geht es allerdings gar nicht. Er tüfftelt  akribisch die Route aus und kümmert sich ebenfalls um die Übernachtungen. Nachdem ich mich letztes Jahr in Südtirol beschwert hatte, dass es ein paar Kurven mehr sein könnten, traf ich seinen Stolz. Das ging wohl gar nicht! Uff.

Dass es auch anders gehen kann, beweist diese Tour. Denn nach dieser Fahrt ins Aostatal fiel ich in stundenlangen Tiefschlaf und warf mich  dort  von rechts nach links, von links nach rechts….

1.Tag:

Um nicht zu viel Zeit  zu verlieren, hieß es erstmal Kilometer abklappern. Rauf auf die Autobahn bis ca. Schwyz. 120 km/h  zu fahren mag zwar gemütlich erscheinen, wer jedoch ungeschützt auf dem Moped sitzt und ohne stärkendes Frühstück gegen den Fahrtwind kämpfen muss, ist da anderer Meinung. Und doch ist meine Laune super. Tolle Menschen um mich herum und es regnet ausnahmsweise nicht! Die Wetterprognosen sind zwar bescheiden, aber der Start bei Sonne lässt alles vergessen. Am Vierwaldstättersee düsen wir bei mäßigem Verkehr an Brunnen vorbei bis Altdorf.  Dann nach Wassen. Und nun beginnt das Warmfahren. Auf überschaubaren, gut ausgebauten Strassen fahren wir über die drei folgenden Pässe: Sustenpass-Grimselpass – Gotthard. Hier legen wir einen nostalgischen Umweg ein und folgen der Tremola. Ganz nette Gegend, die primär von einzelnen Oldheimern befahren wird. Mit unseren Mopeds sind wir schon fast eine Rarität, was sicher auch mit der Beschaffenheit der Strasse zu tun hat: Pflastersteine! Bei trockenen Wetter gut machbar, wenn auch mit sehr gemässigter Geschwindigkeit.

Anschliessend geht es auf der 2 über Faido in Richtung Bellinzona weiter. Entspanntes Fahren bis zum Lago Maggiore. Mein Hirn hat sich schon auf die  verkehrsreiche  Seestrasse eingerichtet, als S. plötzlich li in Gambarogno abbiegt. Huch. Laut meinem Navi fahren wir nun ins Nichts. Ein weisser Fleck.! Nur bei maximalem Zoom offenbart sich das Strässchen, das sich in unzählbaren Kurven durch den Wald schlängelt. Jetzt bin ich mir sicher, dass S. eine Radkarte als Planungsgrundlage gewählt hat!  Nun ist  Konzentration nötig. Die Strassen sind teilweise im desolaten Zustand und ein Sturm davor, hat uns ein „Find den Ast“-Spiel zurecht gelegt.  Zudem sind die engen Kurven schlecht einsehbar. Und doch eine Strecke zum Geniessen. Max. 2 Autos die uns entgegenkommen und es macht einfach Spass, sich mit dem Moped darauf einzulassen. Auch wenn es mich hin und wieder von der Sitzbank lupft um kurz danach den Rücken einzustauchen, ist es traumhaft schön. Dann verlassen wir das Tessin und kommen über die SP5 nach Italien. Müde erreichen wir unser erstes Domizil am Lago Maggiore. Ich kann es mir aussuchen, ob ich lieber den Lärm der Strasse, oder die Party in der Bar nebenan hören möchte. Nach einem Blick aus dem Fenster auf den See, einem leckeren Essen in einer versteckten Pizzeria entscheide ich mich jedoch für den Schlaf.

 

 

 

2.Tag.

Nach einem ausgiebigem Frühstück bei Ei, Käse, frischem Obst und Schokoladenkuchen starten wir bei Sonne. Nach Luino nimmt S. nicht den typischen Weg am See, sondern entscheidet sich wieder gleich für das Gebüsch. Ein ähnliches Bild wie gestern erwartet uns.Wieder voll konzentriert fahren wir an süssen Ortschaften wie Germignaga, Cittiglio, Ara, Pray und Nomaglio vorbei. Nach x Kurven verlassen wir irgendwann den Piemont und kommen ins Aostatal. Bei 27 Grad und viel Verkehr gibt es gleich wieder einen Abstecher über eine kurvige Bergtrasse mit traumhaften Aussichten abseits der Haupstrasse und kommen über einen Schlenker am zweiten Hotel  an.  Hier erwartet uns eine Padrone, die alles im Griff hat. Das sieht man den modernen Zimmer an. Auch das Frühstück ist lecker und bietet alles, was Mann/Frau zum Tagesbeginn braucht.

 

3.Tag

Unweit des Mont Blanc geht es über hübsche, wieder mal  kurvenreichen Strassen über den St.Bernard nach Riddes und Martigny. Dort versuchen wir einen Minipass zu überqueren.. Ich scheitere am kilometerlangen Schotter, der bergauf ja noch akzeptabel ist. Meinen Hintern spüre ich jedoch merklich und bergab will  mir das Getucker gar keinen Spass machen. Wer will schon 8 km mit 10 h/km ötteln. Ich nicht! Ich habe tatsächlich Respekt vor den Furchen, Steinen und Steilhängen. Die Männer haben mein Genörgel dann endlich leid und kehren mit mir um…räusper . Musste nur lange genug motzen. Davor machen wir allerdings Pause an einer Alpe bei Sonne und Alpenfeeling. Weiter im Kanton Wallis nach Saanen- Zweisimmen nach Thun. Dann ab ins Unesco-Biosphäre Entlebuch nach Luzern. von dort auf die Autobahn. In Zürich Stau und darum runter in Rümlang. Noch die Einflugschneisse des Züricher Flughafens bewundern und mit einer Umgehung später wieder auf die Autobahn nach Kreuzlingen..



 

Nach einem Absacker in einem Biergarten reicht es für mich. Ich möchte nur noch alle Vieren von mir strecken! Zugegeben: Ich wurde gefordert! Riesigen Spass machte es mit meinen Jungs, diese Tour zu fahren. Danke Euch, den Gummibärchen und S. : “ Mir fällt nichts ein, über was ich nörgeln könnte!“ Herzlichen Dank!

 

Hier die  Route des ersten Tages: ca 400 km mit Autobahn

Konstanz – Lago Maggiore :

 

und das war der zweite Tag: Ca. 300 km

Lago-Maggiore-Aostatal:

 

Die Rückreise am dritten Tag:ca.460 km

Aostatal-Konstanz:

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Martina

5 KommentareKommentar hinterlassen

      • Ach, in meiner neuen Heimat gibt es so viel Gegend und Berge zu erwandern und zu erlaufen, da hab ich erst mal n paar Jahre damit zu tun 🙂

        Aber prinzipiell hätte ich schon Lust, mal wieder Enduro-Feeling unterm Hintern zu haben. Schotter ist da ja genau das richtige für mich: schön langsam herumrutschen.

    • Ja ich weiss:-(…bisher waren meine Versuche recht verkrampft…und nach 10 min stehend bin ich fertig wie ein Schnitzel. Bremse ich da eigentlich mit der Rückbremse, damit das Vorderrad nicht blockiert? Uff
      Jetzt weisst Du, warum ich ganz neidisch Deine Posts verfolge…
      Ich denke, dass Enduro- und Trialfahrer „bessere “ Motorradfahrer sind. Denn diese beherrschen das Zweirad wirklich.

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