Der Seewanderweg Seegang-55 km entspanntes Wandern

Das Jahr 2016 hat noch mich noch nicht sonderlich zum Wandern animiert. Nun ist es jedoch Mitte Juni und höchste Zeit dies zu ändern.  Das Zelt lasse ich zu Hause. Denn erstens ist Regen angesagt und zweitens begleitet mich ein attraktiver Mann, dem ich  „Martina im Schlafsackmief mariniert“ nicht antun möchte.

Die Lust mich auszupowern ist  noch im Winterschlaf. Warum nicht langsam ans Draussen gewöhnen und den Premiumwanderweg am Bodensee ausprobieren? Dann mal los.

1.Tag.

Das Auto parke ich auf dem Parkplatz am Strandbad Horn in Konstanz. Das ist  auch gleichzeitig der Startpunkt meiner Wanderung. Hier gibt es allerdings nur Tagestickets zum Lösen. So kaufe ich 2 Tagestickets und hoffe, dass ich einen verständnisvollen Kontrolleur erwische.

Anstatt den üblichen Weg direkt am See zu laufen, leitet mich der Seegang  in den Lorettowald. Die Beschilderung ist super. Kreuz und quer durch den Wald kommen wir an der Uni vorbei und ich sehe zum ersten Mal anschliessend den Erlebniswald Mainau. Warum war ich noch nicht hier? Kommt gleich auf meine To-Do-Liste, denn hier kann man klettern und Natur geniessen. Schön gemacht. Mannomann. Noch immer in Konstanzer Nähe und schon die Lust auf Essen. An der Bushaltestelle am Eingang der Blumeninsel Mainau gibt es Frühstück.  Von hier geht der Weg weiter durch eine wunderschöne Allee. So langsam kommt bei mir Urlaubsstimmung auf. Die Beschilderung wird spärlicher und wir folgen einem anderen Wanderweg, der nüchtern betrachtet nur aus einem Matschweg besteht. Dazu beginnt es wieder zu regnen und die Regenkleidung wird bereits zum zweiten Mal angezogen. Dieses An- und Ausziehspiel spielen wir  bis zum Schluss . Mit frisch eingeschleimten Schuhen finden wir wieder auf den Seegangweg zurück, der uns zur nächsten Rast führt. Der Ziegelhof ist ein Lokal, das an einen Reiterhof angeschlossen ist. Die nette Bedienung bringt mir ein Eis, während ich bei (wieder) Sonne einem Reitturnier zuschaue. Dann wird die Beschilderung immer chaotischer. Eigentlich sollte der Weg  über die Marienschlucht führen. Wegen eines grösseren Erdrutsches ist dies jedoch auf  unbekannt länger gesperrt. Eine Umleitung sei ausgeschildert. Ok. Ich sehe schlecht, aber sooo schlecht? Natürlich verliere ich den Weg wieder. Was aber nichts ausmacht. Zwar habe ich keinen Blick auf den See, sonder irre etwas mehr auf dem Seerücken herum, dafür ist es aber still und etwas wild. Da ich so langsam nach 27 km müde Beine bekomme, biegen wir nach Liggeringen ab. Im Adler finden wir eine nette Übernachtungsmöglichkeit. Und hach, welch Zufall. Genau gegenüber findet ein kleines Weinfest statt. Mit einer Flasche Weissherbst im Kopf, 5 Bratwürsten im Bauch und einem Dinnele  lässt es sich gut einschlafen.

2.Tag

Am nächsten Morgen starten wir bei Sonne und nehmen an der Kirche einen schmalen Wanderweg, der ganz ungewohnt bergauf geht. Liegt es am leckeren Frühstück, oder tatsächlich am Weg, dass ich schnaufe?? Uff. Da kommt das nächste Highlight, nämlich die Burgruine Altbodman (nimmt man den Ruinenweg, ist noch eine weitere Ruine anzuschauen). Kurzer Stopp, denn schliesslich ist bei dieser tollen Aussicht innehalten angesagt (geschickte Möglichkeit von meinem Schnaufen abzulenken). Dann geht es weiter nach Bodman und über Ludwigshafen nach Sipplingen. In Sipplingen führt parallel zur Strasse der Blütenweg, den ich natürlich wieder verfehle. Grummel. Aber nachdem ich gierig einen Kirschbaum geplündert habe, finden wir auch dieses Mal wieder auf den Weg und schlürfen weiter zum Haldenhof, der auch ein Gasthaus mit traumhafter Seesicht bewirtschaftet. Mein Begleiter hat leider drückende Schuhe an, die das Laufen schmerzhaft behindern. Die Mühen des Aufstieges wird belohnt. Den Paroramablick geniessen und Holunder-Schorle schlürfen. Hmm. Die Kuchen sind übrigens auch lecker! Damit die letzten 10 km nicht zur Tortur werden, muss gehandelt werden. Das eingepackte Schweizer Taschenmesser eignet sich nicht nur zum Salami schneiden, sondern es kann auch problemlos Schuhe kürzen ;-). Jetzt drückt kein Schuh mehr!

Der Weg geht durch einen Buchenwald weiter. Dann überqueren wir Wiesen und Felder und kommen in Hödingen an. Der Hödinger Tobel ist kühl und wild. Über Abwechslung können wir uns wirklich nicht beschweren. Die Landschaft und das Wetter ändern sich stetig.  Am Aussichtspunkt Torkelbühl lassen wir den Bodensee auf uns wirken. Wunderschön hier. Dann hinab in den Spetzgarter Tobel.

 

Die letzte Kilometer nach Überlingen sind mühsam, aber auch dort kommen wir an.

Über den Nachhauseweg habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, denn schliesslich ist der Bodensee ein Touristennest. Und so freuen wir uns, dass wir prompt am Hafen eine Überfahrt für 3 Euro/Nase nach Wallhausen erwischen. Die 15 Minuten reichen gerade für einen Durchschnaufer und ein Feierabendradler. In Wallhausen fährt 5 Minuten später ein Bus nach Konstanz zum Hörne, wo mein Auto ohne Strafzettel fein auf mich gewartet hat. Ein seltsames Gefühl diese 55 km in zwei Tagen zu gehen, um dann anschliessend in 1,1/2 h wieder daheim zu sein. Tststs.

 

Ein sehr zu empfehlender Wanderweg. Da hat sich jemand wirklich Mühe gegeben, auch wenn die Ausschilderung an der Marienschlucht in Richtung Überlingen sehr dürftig sind. Wenig Asphalt, viel Abwechslung, traumhafte Aussichten und gut überwindbare Höhenmeter zeichnen den Weg aus. Obwohl der Weg Erholung und Urlaubsstimmung bringt, ist er auch für Ungeübte und Orientierungslose geeignet. Denn es gibt massenhaft Möglichkeiten auch abzubrechen und schnell in die „Zivilisation“ zurück zu gelangen.

 

 

 

Seegang Karte

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Martina

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