Eine Frau, ein Zelt und der Westweg ( 1.Tag)

Seit Chile   gehe ich wieder vermehrt in die Natur raus und laufe. Ok..gehen… da es auch mal mehr als 4 Stunden sind, darf man  laut Definition auch wandern sagen. Den ganzen Tag Frischluft schnuppern dürfen. Der 280 km lange Fernwanderweg im Schwarzwald mit dem Namen“Westweg“ lachte mich geradezu an, denn in dieser Gegend hat mir bereits der Schluchtensteig sehr gut gefallen. Allerdings kämpfe ich seit einiger Zeit mit der Achillessehne. Somit wusste ich nicht sicher, ob ich die vom Wanderführer vorgeschlagenen Etappen meister. Also für die Unabhängigkeit noch schnell eine leichtes 1-Personen-Zelt gekauft und den Rucksack gepackt. 15 kg Gesamtgewicht stufe ich als machbar ein und bewege mich zum Startpunkt Pforzheim.

Um die erste Pforte zu finden, muss ich mich erst durch diese heruntergekommene Stadt wuchten. Besonders freundlich sind die Pforzheimer nicht. Dabei strahle ich mit der Sonne um die Wette. Dummerweise hatte ich gar nicht trainiert. Die 15 Kilo fühlen sich doch nicht so komfortabel an. Zudem gräbt sich der prall gefüllte Rucksack in die Schultern und Druckstellen am Hintern verpasst mir der Stabilisator der Hüftflosse.  Autsch.  Nach zwei Kaffepausen und sich ziehenden Asphaltstrassen gelange ich irgendwann zu meinem ersten Tor, wo ich meinen ersten Stempel hole.

Ab hier wird es merklich angenehmer, wobei die Geräusche von der nahen Strasse lange zu hören sind. Zum Glück bestückte der Schwarzwaldverein den Weg mit vielen Wegweiser, der roten Raute. Somit komme ich zügig auf dem nicht spektakulären Weg vorwärts. Zum Einlaufen nicht schlecht. Keine besonderen Auf- und Abstiege, keine besonderen Aussichten. Ich kann mich also vollends den schmerzenden Füssen und der Schulter widmen. Dobel suchte ich als erstes Etappenziel aus. Dort angekommen, erscheint das Dorf ausgestorben. Pensionen und Restaurants haben geschlossen. Nur einzig ein Bistro hat noch geöffnet. Hier kann ich meine Wassertanks zum Glück wieder auffüllen und kann somit ohne Wassersorgen mein Nachtdomizil  ca 2 km nach Dobel  aufschlagen. Eine geschlossene Forsthütte mitten in einer tollen hohen Wiese  unterstreichen das gute Gefühl meiner ersten Nacht. Müde schlüpfe ich schnell in mein Zelt, dass erstaunlich komfortabel ist. Allerdings ist meine  Isomatte ein Fehlgriff. Sie mag zwar klein und leicht sein, aber sie ist für meine platzraubende Schlaftechnik zu schmal. Zudem verliert sie Luft. Aber wer müde ist. lässt sich nicht von Tannenzapfen im Rücken abschrecken.

Herrlich.  Absolute Ruhe, ausser ein röhrender Hirsch, der seine Runde dreht, Ich schlafe gut. Morgens kämpfe ich mich allerdings etwas erbärmlich aus dem Zelt. Geschlagene 7 min ,von Schuhe anziehen bis zum Kaffee holen, benötige ich.  Zu meinem Frühstück gesellt sich  ein Gemeindepolitiker mit seinem Hund, der schon verdächtig das Bein zum Zelt hebt. Aber er spürte wohl den Todenpfeil in meinem Blick.

Dann irgendwann entspannt bei Sonnenschein zusammenpacken und weiter geht es.

Route:

Pforzheim-Dobel Hütte: 27 km   1517/915 HM

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Martina

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