Eine Frau, ein Zelt und der Westweg ( 10.Tag)

Die 9.Etappe auf dem Westweg ging erstaunlich gut. Endlich mal einen Tag ohne stark schmerzhaftem Hinkebein. Zudem möchte ich in Titisee meinen Lieblingsbegleiter treffen. Nach einer langen Krankheitsepisode hat er endlich wieder Lust auf Natur und Leben und wagt sich auf Tour. Also starte ich  voller Optimismus in den neuen Tag.

Die Umgebung wird lieblicher und führt über Wiesen sanft auf und ab. Stolze Gutshöfe, die leider ihre besten Jahren schon hinter sich haben, stehen einsam und doch imposant in der Umgebung. Ein fitter 90-jähriger Bauer haut schwungvoll neue Pfosten für einen Zaun in den Boden. In seinen Augen spiegelt sich Kampfeslust , als er mir von den Schwierigkeiten mit den Behörden erzählt. Unglaublich, was es inzwischen für Auflagen und Gesetze für Landwirte gibt. Erstellt von Bürohengsten, die oft noch nie einen Fuss in einen landwirtschaftlichen Betrieb gesetzt haben. Ich wünsche diesem Rebell noch ganz viele weitere Jahre mit dieser Power! Das war eindrücklich.

Titisse ist in Sichtweite,  aber der Weg zieht sich unglaublich zäh dahin . Ein langer ätzender Teerweg muss beschritten werden. Gähn. Ich freue mich schon auf den Campingplatz und auf meinen vertrauten Camping-Begleiter. Allerdings (ver)-zweifle ich bereits. Die nächste Etappe soll auf den Feldberg führen. Uff. Und das mit meinem geschunden Quadratlatschen? Mist. Zudem hatte ich immer wieder mit kleinen Gewitterepisoden zu kämpfen. Zwar kurz, aber oft heftig und die Häufigkeit nimmt kontinuierlich zu. Hm.

Auf dem Campingplatz angekommen erscheint mir alles sehr luxuriös. Dusche! WC! Kleines Restaurant! Dach! Boah. Mit meinem Lieblingsbegleiter, der nun auch eingetroffen ist, ist es einfach toll. Wie ein altes Ehepaar sind wir abgestimmt. So stellen wir ohne grosse Worte unsere Zelte schnell auf und sind vor dem nächsten Gewitter fertig. Pünktlich zum Regenbeginn finden wir uns bei Frikadelle, Kniffel und Schnaps in der Kneipe ein. Sehr schön. Hier wird auch nach 5 Gläser Schnaps klar, dass der Campingplatz  wohl die letzte Destination sein wird. Ein Blick auf die Wetterprognose ist nämlich alles andere als motivierend. Starke Stürme werden für die nächsten Tage  erwartet. Und wir wollen mit unseren Wegpust-Dackelgaragen auf den Feldberg? Als mir mein LB zudem offenbart, dass es ihm gesundheitlich noch nicht gut geht, und er den Rest nach Basel nicht mit mir gehen wird, beschliesse ich auch für mich das Ende der Tour. Ich Mimösle.

Irgendwann falle ich im Zelt, noch nicht mal umgezogen, in den Tiefschlaf. Bewegungslos schlafe ich 12 Stunden durch. Defekte Isomatte hin oder her.

Am nächsten Morgen also dann die Heimfahrt. Ich zweifle an meiner Entscheidung. Warum ziehe ich mein Vorhaben nicht durch? Die Achillessehne wird diese noch fehlenden 3 Tage schon durchhalten. Ausserdem scheint doch die Sonne…arrgh. Gedanken, die unnötig sind. Denn am Abend kommt die Klarheit: Die Entscheidung abzubrechen war richtig. Es bilden sich in Süddeutschland kräftige Gewitter mit Starkregen, Hagel und Sturmböen, die mehrere Tage anhalten. Die Zeitungen sind voll von Berichten über Erdrutsche, umgestürzte Bäume im Schwarzwald…uff. Alles richtig gemacht.

Und dennoch fühle ich mich nicht besonders gut. Irgendwie halbfertig…die letzten Etappen muss ich noch irgendwann ablaufen…mal schauen.

Tourdaten:

Pampa- Titisse: ca 21 km

Gesamttourdaten: 205 km

weg

 

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Martina

6 KommentareKommentar hinterlassen

  • Es ist immer gut aufzuhören, wenn es am schönsten ist. Also: Alles richtig gemacht.
    Die fehlenden paar Meter kannst Du immer noch nachholen, wenn es Dich wirklich wurmen sollte.

    • Danke Dir… Mal schauen, wann ich den Rest bewältige. Mit dem Moped ist es irgendwie einfacher 😉
      Hier merke ich hin und wieder nur meinen Hintern nach einer langen Fahrt.

  • hey Martina , habe Deinen tollen Reisebericht gelesen und mir gedacht rund um den schönen Titisee und den Feldberg bin ich schon gefühlte 1000 km gewandert. Bin in jungen Jahren mit meinen Eltern rund um den Feldberg bis hin zum Zastler sehr oft gewandert und es war immer schön.Bin am Feldberg geboren und kenne den Schwarzwald wie meine Hosentasche ,es wird im Schwarzwald nie langweilig und den kleinen Feldsee den vergißt man schon fast ist aber immer eine Reise wert den dort gibt es Elfen und andere mystische Wesen.War vor kurzem einige Wochen mit meiner Frau (Wife) in New Port USA die gegend ist sehr ruhig und vom Meer ist es sehr angenehm es war ein Urlaub wie im Paradies. Aber Dein Westwegtrip war auch sehr interessant .Danke für Deinen schönen Reisebericht und mach weiter so .

    • Wälder sind unglaublich schön. Mit etwas Muse und Fantasie ist es dort zum Teil sehr mystisch. Gefällt mir immer wieder. Den Feldberg und seine Umgebung möchte ich auf jeden Fall noch besser kennen lernen.
      Danke für Deine schönen Worte an mich.

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