Generationenaustausch

„Ein Verdauungsspaziergang, solange noch die Sonne scheint…“

– das waren die Worte meines 84jährigen Dads, als ich meine Eltern einen Besuch abstattete. Warum nicht. Mit Humor nimmt er die Spuren der Zeit, die nicht an ihm vorbeigingen. Beim Schuhe anziehen wird die Luft angehalten. Das Erinnerungsvermögen lässt ihn 10 Minuten die Mütze suchen. Die Handschuhe sind irgendwo bei den Stöcken, die er extra für die Spaziergänge mit Jüngeren kreiert hat. Alte Skistöcke aus den 70’ern, die mit Gummipfropfen aufgepimpt wurden. Damit kann er sich vorwärts schieben. Auf dem Weg begegnet uns eine Familie. Der Vater schiebt stolz den Kinderwagen. Mein Vater bleibt stehen und schaut ihnen lächelnd hinterher.

„Weisst Du Mädel, das ist schön. Zu meiner Zeit brachten sich die Väter nicht ein. Das war verpönt. Die Zeit mit den Kindern beim Spielen zu verbringen, war eine Seltenheit und es dauerte eine Weile, bis sich auch die anderen Väter aus dem Dorf trauten, das Kind im Manne rauszulassen“

Der Spaziergang war kurzweilig. Seinen Erzählungen höre ich immer wieder gerne zu. Auch wenn die Vergesslichkeit zunimmt; viele Geschichten schon zum zweiten Male wiedergeben wurden  oder die Namen der Kinder vertauscht werden…

Nach 2 Stunden erreichen wir wieder das warme Zuhause. Mein Vater ist müde, aber die Augen leuchten. Und wieder denke ich, dass ich eigentlich viel zu wenig bei Ihnen bin. Denn die Erzählungen, Erinnerungen und Ansichten sind von Menschen, die die Welt anders kennengelernt haben. Die Sorgen sind andere und die Prioritäten haben sich verändert. Das bringt Nähe und ist zudem oft spannend, komisch oder manchmal doch weit entfernt..

Und trotz der Mühe mit der Zeit (und Technik) mitzugehen, bin ich immer wieder überrascht mit welcher Toleranz und Neugierde viele Dinge betrachtet werden. Tränen lachten wir, als ich ihm das Internet versuche zu erklären. Begeistert guckt er sich die Facebookbilder meiner „Freunde“ an und staunt über die Posts und Kommentare.

Einen Gang zurückschalten und sich auf die Alten einlassen. Das ist Gewinn für beide Parteien!

 

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Martina

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