Kletterkurs: von der Halle an den Fels

Endlich war es soweit. Obwohl mir das Klettern in der Halle Spass macht, zieht es mich raus in die freie Natur. Wenige Male durfte ich mit einem erfahrenem Kletterer schon Felsluft schnuppern. Dort lernte ich bereits einige Handgriffe kennen,  aber ohne Aufsicht habe ich selten was gewagt.  Darum entschied ich mich für einen Kurs: Von der Halle zum Fels, in dem alles von der Pike auf gelernt wird.

Zuerst also mal für den Kletterfelsen ein Topo besorgen. Dieser enthält alle nötigen Details über die Landschaft und wie man sich dort zu verhalten hat.
Zudem erfährt man hier alles über die Absicherung, Länge der Route, Felsstruktur und hat dann hoffentlich eine Vorstellung, was man so alles an Material braucht.

Bevor es an den Fels geht, stehen einige Übungen an. Am Baum wird der Ablauf geübt und die Hintergründe der einzelnen Schritte vermittelt.

 

Am besten sucht man sich eine Route aus, die 1-2 Grade leichter ist, als man sonst klettert.  Der Partnercheck und auch das Durchgehen des Materials und die Kommandoabsprache  sind wesentliche Bestandteile des Ablaufs, bevor man startet.

 

Während bei den Übungen noch alle eine grosse Klappe haben, wird es plötzlich still. Denn nun heisst es endlich das Erlernte am Felsen umzusetzen. Und schluck, es sind noch einige, zum Teil grobe Fehler zu korrigieren. Zum Glück hat wenigstens unser Kletterguide die Übersicht.

Dieser Übungsfels liegt mir gar nicht. Voller Erfurcht wuchte ich mich den Fels mit einem Schwierigkeitsgrad 3+ hoch. Der Fels hat eine ganz andere Beschaffenheit als in Arco, wo ich  mutig eine 5 + /6 klettere.
Stürzen will hier niemand. Die spitzigen Kanten versprechen  eine schmerzvolle Landung. Also schön besonnen und vor mich hinpfeifend geht es immer höher. Jede geklippte Expresse wird von mir angestrahlt und ich  freue mich als ich am Umlenker ankomme. Wie war das also nun alles? Jeder einzelne Schritt dient der Sicherheit und der Minimalisierung von Eventualitäten, die wenn sie passieren sollten, mehr als Flexibiltät und Nerven abverlangen.   Also nochmals alles konzentriert durchgehen. Dann husch einen fragender Blick an den Kletterguide geschickt,  der völlig relaxt in der Nähe auf einem Vorsprung ausharrt und mich beobachtet. Er nickt und ich bin stolz wie Harry.

Über meine Kletterpartner bin ich froh. Wir haben schnell Vertrauen zueinander entwickelt und uns gut abgesprochen.  Verschwindet der Kletterer nämlich plötzlich aus dem Sichtfeld, ist man froh, wenn man weiss, was man tun/rufen muss, damit alles gut klappt.

Die Sicherheit nimmt bei jedem Route zu. Wir üben den Umgang mit dem Umlenker, das Ablassen, das Abseilen und am Schluss können wir auch ein Toprope einrichten.

Der Kurs war wirklich klasse.  An der frischen Luft den Tag mit netten Menschen am Felsen zu verbringen, macht ungeheuren Spass. Und doch wurde mir auch der Ernst bei dieser tollen Sportart wieder bewusst. Bisher haben andere für mich die Verantwortung übernommen und ich konnte mich rein aufs Klettern konzentrieren. Und nun lerne ich den Umgang der Materialien und die Hintergründe mancher Abläufe kennen. Jetzt habe ich ebenso Verantwortung zu tragen.

Das Leben zweier Menschen hängt an einem Seil…

Und es ist doch wunderschön! Jetzt fehlt mir nur noch ein netter und entspannter Kletterpartner, damit ich in Übung bleib..hach.

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Ganz lieben Dank an Judith Wälti, die diese tollen Fotos geschossen hat und mir zur Verfügung gestellt hat.

 

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Martina

1 KommentarKommentar hinterlassen

  • Da hast Du meine tiefste Bewunderung! Mir wird schon schlecht, wenn ich auf einen Küchentritt steige. Selbst in einem Weinberg war es mir schon mal zu steil gewesen. Der Gedanke, mich senkrecht an einem Felsen empor zu ziehen, läßt mir augenblicklich das Herz in die Hose rutschen.

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