Tag -Alpstein

Alpstein / Wandern als Homo normalis

wanderkarte-alpstein03/04. August 2013

Laut meinem Wanderbüchlein Schweiz sollte ich für dieses Vorhaben eigentlich gemütliche 2 Tage veranschlagen. Und meine Kollegen meinten sogar, dass diese Tour in einem Tag locker durchführbar ist. Nun, dann war ich doch froh, dass ich diese Tour alleine bewältigt habe. So konnte ich das Tempo bestimmen und auch genügend Pausen einlegen. Als Normali verfüge ich weder über eine besondere Ausdauer, noch über extremen Ehrgeiz.So konnte ich an den steilen Stellen schnaufen, röcheln und grimmig gucken. Alle 10 Meter einen Schluck aus der Flasche nehmen und stolz auf die geschafften Metern sein. Als einzige Wegbeschreibung besitze ich die faltbare Appenzeller Touristenkarte, die an den Gondeln und Bahnen ausliegt. Sie reicht mir völlig aus, auch wenn sie natürlich nicht so genau ist. Und meine Zeit? Ich benötigte unschlagbare 2x 8 Stunden und hatte jede Nacht einen sehr guten Schlaf!

Diese Tour kann ich nur empfehlen. Zumindest bei trockenem Wetter. Etwas Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sollte man allerdings mitbringen, denn das „Oehrli“ und der Aufstieg zum Säntis über ein Schneefeld hat mir das Herz schon schneller schlagen lassen. Aber die meiste Zeit bestand aus Wohlfühlen und Schwitzen.

Gepäck: Wanderschuhe , 3 Liter Wasser (bei 30 Grad für mich ein Muss), Sonnenschutzcreme und Mütze, ein kleines Erste-Hilfe-Säckchen, Müsliriegel und Äpfel (nicht zu empfehlen, da eindeutig zu schwer), 1 Microfaserhandtuch , Reisezahnbürste, Probefläschchen Duschgel und Deostick , Ersatz T-Shirt und Schlabberhose für die Hüttenübernachtung.

Start/ 1.Tag:  Ebenalp . Schön brav mit der Gondel hoch. Ich brauche schliesslich meine Kräfte noch. Von dort gibt es einen „gediegenen“ Weg zum Wildkirchli und zum Aescher. Hier allerdings ist die Hölle los. Ganz Schweiz scheint sich hier ein Cüpli oder einen Frühstückskaffee  zu gönnen. Ist aber auch schön hier.

Mir ist hier zu viel Trubel, darum starte ich gleich weiter Richtung Altenalp. Dort umrunde ich die Alp mehrmals, da ich  primär zum Schäfler möchte und den Aufstieg suche. Um den fragenden  Blicken zu entkommen, nehme ich halt einfach mal einen Trampelpfad nach rechts. Geradeaus kann ja jeder…Ok. Irgendwann sehe ich weder einen Weg noch einen Wegweiser. Und steil ist es. Puhhh. Aber keine Angst, irgendwo da oben wird schon wieder was kommen.  Einfach am Fels entlang… einen Vorteil hat es: Ich bin ganz alleine und keiner muss sich mein Geschnaufe anhören.

Der Blick nach unten entschädigt mich  und macht mich ein bischen stolz. Und siehe da.. mitten in der Pampa steht ein Wegweiser. Am Schäfler kam ich nie an,  ich entschied mich für die linke Abbiegung Richtung Öhrli/Säntis. Jetzt wird es  anstrengend.

Der Weg zum  Oehrli ist die reinste Geröllhalde. Zudem ist es für meinen Geschmack etwas zu steil. Ein Schritt vor und zwei zurück. Trotzdem bin ich froh, dass es nach oben geht. Denn für die selten anzutreffenden Entgegenwanderer ist der Weg eine reine Rutschpartie. Durchhalten ist die Devise, denn schliesslich ist es noch ein normaler Wanderweg. Nichts alpines… laut Wegweiser…

Und nun? Da stehe ich nun da und staune. Was bedeutet dass denn? Rot-weiss = Wanderweg.Das  kapiere ich noch. Und unterhalb ein Schild mit dem Verweis, dass es alpin wird. ? Hä?   Zurücklaufen geht gar nicht. Also los.  Zum Festhalten gibt es ein Seil und ein bisschen Klettern macht ja auch Spass.

Dieser Entscheid hat sich gelohnt. Nur zwei  Personenbegegnungen .Zwar muss man etwas auf die Löcher aufpassen und sich hin und wieder am Seil festhalten, aber es ist wunderschön. Blumen, die sich in dieser felsigen Gegend durchsetzen, dann wieder Wasser und etwas Grün.. einfach malerisch und sehr abwechslungsreich.

Dann kommt das Schneefeld. Dies ist also die Abzweigung zum Säntis hoch. Jetzt sehe ich ihn, den blauen Schnee, der , wer hätte es gedacht, nicht blau ist.Aber egal. Er kühlt! Am Anfang ist es ein Spaziergang. Doch die letzten Meter hoch auf zum Säntis, wird es plötzlich tiefer. Meine Stöcke bleiben teilweise stecken. In mühevoller Arbeit pfrimel ich die Dinger wieder zusammen und schiebe mich den Hügel hinauf. Ein kleine Adrenaliausschüttung für mich , denn der Gedanke eventuell auszurutschen macht mir nicht gerade Freude. Der Uebergang Schnee zum Fels ist ebenfalls eine Herausforderung. Durch die Schmelze bricht am Rand der Schnee gerne ein und ich hüpfe mehr oder weniger auf den rettenden Fels. Vor dort gibt es einen drahtseilgesicherten Weg, der Körpereinsatz fordert (oder habe ich schon wieder einen anderen Weg gewählt?) Oha. So ziemlich platt erreicht man dann eine Himmelsleiter. Hier gibt es Tritte und ein Drahtseil. Kleine Ausbuchtungen sind auch vorhanden, falls es doch mal Gegenverkehr gibt. Kleinkinder, die an den Eltern gesichert sind begegnen mir. Also wenn die das schaffen, pack ich das auch .

Endlich, der Säntis. 2500 M. Und 1 Liter Schorle. Mein Zweitname: Kamel! Die 3 Liter habe ich gut auf die Strecke bis hierher verteilt , aber durstig bin ich jetzt trotzdem.

Mein Ziel für  ist allerdings der Rotsteinpass. Meine Uebernachtung ist vorangekündigt. Also los und das letzte Stück über den Lisengrat rüber. Das ist im Vergleich zu den letzten Meter Wohlfühlwandern. Beschwingt und gut gelaunt komme ich dann am Rotsteinpass an. In der hintersten Ecke hat im Matratzenlager hat es noch ein Plätzchen für mich. Die Abendsonne geniessend , gönne ich mir nach den leckeren Älplermagronen noch zwei Appenzeller.Steinböcke sind ebenfalls in der Nähe, die sich recht nahe an die Hütte trauen. Sehr schön . Dusche? Von wegen. Im Sommer ist Wassermangel. Hätte ich drauf kommen können. Obwohl (oder vielleicht deswegen) jeder hier sich nur etwas Duschgel auf die meist transpirierenden Stellen aufträgt, schlafe ich tief und fest.

2.Tag

Die ersten Schritte sind sehr wacklig. Ich decke mich mit dem wohl teuersten Trinkwasser ein und bin glücklich es zu haben. Hier oben hat Wasser noch eine ganz andere Bedeutung!

Obwohl mich der Altmann in der Morgensonne anlächelt, möchte ich nicht gleich kraxeln und entschliesse mich deshalb zuerst bergarb zu laufen.

Nach einem guten Stück bin ich zum Glück wieder geschmeidig und habe Lust auf mehr. Also rechts abgebogen Richtung Bollenwees.

Dort trinke  gierig erneut meine 1,5 Liter des guten Schorleys und mache mich weiter auf den Weg zur Saxer Lücke. Im Zickzack geht es nach oben. Hier ist der Menschenandrang  wieder merkbar stärker. Ich muss aufpassen, dass ich mich nicht hetzen lasse.Die Umgebung wird lieblicher. Es ist grün und es blüht wunderbar. Immer wieder gibt es lohnenswerte Aussichten.

Die Mittagssonne hat  ihre volle Kraft erreicht und brutzelt mir mächtig auf die Mütze. Dass ich mir zwei der wärmsten Tage im Jahr aussuchen musste, erfuhr ich erst hinterher . Jetzt geht es am schroffen Felsen entlang, hoch und runter, zum Restaurant Stauberen. Mein Ziel, der Hohe Kasten, ist schon lange sichtbar. Aber ich habe es nicht so eilig, da es viel zum Schauen und Geniessen gibt. Rechts hat man freien Blick auf das Rheintal und links von mir zeigt sich der Sämtisersee. 

Ich merke nun ordentlich meine Beine und bin anständig müde. Das die Gondel in unmittelbarer Nähe ist, merkt man an den vielen Menschen. Sandalenträger wie Turnschuhträger… Pfff. Ich bin nun auch reif für die Heimfahrt.  Zwei Tage gespickt mit verschiedenen Eindrücke. Herrlich war es. Und wen stört es schon, dass ich die Zeitangaben so gar nicht eingehalten habe!