Kategorie -Reisen

Madeira – Camacha nach Sitio das Quatro Estradad

Abseits von den Menschenmengen, die sich meist zuerst an die TopTen der Wanderungen halten, bietet Madeira zum Glück noch viele weitere Routen.

Ich entscheide mich für eine Tour, die man bequem von Funchal mit dem Bus 29 erreichen kann. Start: Camacha  und das Ziel: Sitio das Quatro Estradad. In einem Laden vor Camacha besorge ich mir noch eine Taschenlampe, die wärmstens empfohlen wird. Im Camacha können sich Folklore-und Handwerkskunst-Interessierte sich einiges anschauen. Ich bin es nicht, darum laufe ich weiter und suche den Beginn der Levadawanderung, die mit Levada dos Tornos beschriftet ist. Beglückt über meine Taschenlampe wartet schon der erste Tunnel auf mich. Danach   begleitet mich ein dickes  Wasserrohr, das jedoch auch irgendwann mal verschwindet.  Nach einiger Zeit führt die Levada steil an einer Felswand entlang. An einem weiteren Tunnel haue ich mir den Kopf an. Ist auch gar nicht so einfach sich auf oben und unten zu konzentrieren ;-).

Rankende Maracujas, terrassierte Felder und wunderschöne Ausblicke zeichnen diese Tour aus. Zudem Ruhe. Ausser einem englischen Paar begegnet mir niemand. Ein kleiner Erdrutsch hat das letzte Stück des Weges unpassierbar gemacht. Eine kleine Panikattacke macht sich breit, denn ich habe weder Karte noch Handy dabei. Da steht plötzlich ein breiter Portugiese mit kleinem Hündchen vor mir und scheint Gedankenlesen zu können. Er fuchtelt mich auf einen Hügel, der sich als Umleitung herausstellt.  So erreiche ich die einsam gelegene Bushaltestelle. Die Zeit des Wartens überbrücke ich mir mit Kaffee und Bier. Die einzigen Getränke, die die kleine Bar hier anbietet. Aber das tut gut.

Mit ca. 120 HM hatte ich fast keine Steigungen, dennoch merke ich meine Beine nach 16 km Fussmarsch doch….

 

 

Madeira: Sao Lourenco

Für Madeira ist dieser  Landstrich eher untypisch. Madeira, normalerweise ein Inbegriff  für Ihre Vielfalt an Vegetation reizt nun  mit  Kargheit. Ein  guter Grund  für mich diese Landzunge zu erkunden. Der Start dieser Wanderung ist leicht zu erreichen. Dementsprechend ist sie  beliebt. Ich bekam eine Mitfahrgelegenheit und konnte früh starten. So entging ich dem  üblichen Andrang.

Wir parken auf dem  Parkplatz am Ende der Strasse von Canical nach Sao Lourenco  und starten direkt von hier. Kleine Wegvarianten bieten Abwechslung und lassen die Wanderer nicht im Gänsemarsch laufen. Allzeit wird uns eine fantastische Panoramasicht geboten. Das Meer  bietet farblich einen tollen Kontrast zur braun-grünen Landzunge. Enden tut der Weg an einem kleinen Aussichtspunkt  an der Ostspitze. Von hier aus müssen wir  leider umdrehen. Schade eigentlich.Nochmals kurz inne halten und alles auf mich wirken lassen.

Die Möglichkeit im Atlantik zu baden nehme ich nicht in Anspruch. Aber  nur, weil ich meinen  Bikini vergessen habe. Mist. Trotz des Windes spürt man die gnadenlose Kraft der Sonne.  Also unbedingt Sonnenschutz mitnehmen. Es gibt nämlich  keinen Baum weit und breit. Darum ist es eine Wohltat, als das ehemalige Bauernhaus Casa Sardinha auftaucht.  Hier stehen einige Palmen, unter denen wir picknicken.Und es  existiert zum Glück ein WC . Meine Panik, dass ich ohne Gebüsch klar kommen muss verschwindet und  schon kann ich tiefenentspannt die kleine Ausstellung im Haus über Flora, Fauna und Geologie  anschauen.

Die ca 8 km und   200 Höhenmeter lassen sich  gut  in ca 3 Stunden bewältigen.Verlaufen ist quasi unmöglich. Die Wege sind meist breit, dennoch erfordern die vielen Steine etwas Trittsicherheit.. Also gucken, wohin man läuft, auch wenn es schwer fällt, die Augen von den wunderschönen Ausblicken wegzudrehen.  Rundum ist diese Wanderung eine schöne Halbtagestour. Sehr zu empfehlen

 

 

Madeira: „Bloss nicht“ und „Unbedingt“

Wer sich für die portugiesische Insel Madeira entscheidet, kauft sich meist einen Reiseführer. Jeder dieser Ratgeber beinhaltet einen „Bloss nicht“- und einen „Unbedingt“-Abschnitt.  Mir sind sie eine  Hilfe, wenn ich in ein für mich noch unbekanntes Fleckchen Erde reise.

Meine Vorschläge beziehen sich nicht auf die wundervollen Orte, die soll jeder für sich selbst entdecken. Vielleicht helfen sie jedoch für die Reiseplanung:

Meine Empfehlungen:

 

To do

  • Schuhe mit Grip  anziehen! Ein geteerter Pflasterweg ist selten.
  • Regenjacke  einpacken. Das Wetter überrascht minutenweise.
  • Kontakt mit Einheimischen aufnehmen. Vor allem in den nichttouristischen Orten. Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit trifft man überall. Ihre Gelassenheit ist bemerkenswert.
  • Wenn der Service gut ist, auch mal ein Trinkgeld hinterlassen.
  • Streckenwanderungen sind häufig gut mit den öffentlichen Verkehrsmittel zu erreichen. Taxen und Busse gibt es einige. Davor allerdings im Internet die Zeiten recherchieren. Es dauert einige Zeit, bis man das System mit den verschiedenen Anbietern versteht.
  • Auto mieten: für Rundwege und entlegene Orte ist ein fahrbarer Untersatz goldwert.
  • Essen in Kneipen und Restaurants. Isst man nur in den Hotels verpasst man eine kulinarische Reise.
  • Den originalen Poncha probieren. Lecker! Für diejenigen, denen er zu stark ist, gibt es den Poncha als Cocktail in einer leichteren Form mit vielen unterschiedlichen Geschmacksrichtungen.
  • Madeirawein
  • Sich  „Fado“ anhören. Melancholisch schön.
  • Taschenlampe mitnehmen: Manche Wege führen durch enge, unbeleuchtete Tunnel.

 

 Bloss nicht:nicht gut

  • Achtlos mit Feuer umgehen: Waldbrände toben immer wieder.
  • Keine Taschentücher beim Gebüschaufsuchen liegen lassen. Sieht unappetitlich aus und benötigt 3-6 Monate zum Verrotten.
  • Beim Anreden der Einheimischen Deutsch reden.  Es können manche deutsch, aber es ist unhöflich, im besten bayrisch, schwäbisch oder plattdeutsch zu reden. Auch wenn kein portugisisch gekonnt wird, kann es mit der Reisesprache englisch versucht werden, oder man fragt einfach mal höfflich nach, ob auch deutsch in Ordnung ist.
  • Dem Reiseführer glauben und Wanderungen meiden, da man Angst hat, dass man genau heute und nur Du überfallen wirst.
  • Sich geführten Wanderungen anschließen, die die Highlights oder  „noch geheimen und wunderschönen Orte“ besuchen: Stau vorprogrammiert! (Siehe Beitragsfoto)
  • Auf dem Markt in Funchal im zweiten Stock Obst und Gemüse einkaufen. Zu teuer… Wer nicht nicht weiss, was das Essbare wert ist, wird über den Tisch gezogen.

 

 

 

 

 

 

Madeira – die Insel des ewigen Frühlings

…schon alleine der Name reizt mich.
Wohin soll ich im November reisen, wenn nur eine Woche zur Verfügung steht? Die Wahl fällt auf die kleine portugisische Insel  Madeira. Obwohl auch dort im November  „Spätherbst“  ist  und nicht mehr alles in voller Pracht blüht, lockt mich die Vorstellung auf kontinuierliche 20-25 Grad . Zudem ist sie als Wanderinsel bekannt. Und da ich wieder alleine als Frau unterwegs bin,  ist das die perfekte Kombination.

Nach 4 Stunden Flug komme ich auf der spektakulären Landebahn an. Nur Piloten mit einem Extra-Flugschein dürfen hier landen. Die Insel empfängt mich warm, aber auch mit einem Grau, das mich an Zuhause erinnert. Schon nach 30 Minuten Taxifahrt ändert sich das Bild und die Sonnenstrahlen küssen mich. Die ständigen Wetterveränderungen begleiten mich die ganze Woche durch und haben ihren eigenen Reiz. Ständig ändert sich die Stimmung. Was sich  zuvor lieblich, sonnig und in warmen Farben darstellt, mausert sich  nach kurzer Zeit zu einer Kulisse eines Thrillers . Wunderbar!

Meine To-Do-Liste ist lang, denn die vielfältigen Angebote lassen mein Herz höher schlagen: Tauchen oder Schnorcheln im glasklaren und noch warmen Atlantik; Wanderungen zu Fuss oder auf einem Pferd; Schwimmen in Becken aus Vulkangestein; Sich durch die ganze Palette an Leckereien durchfuttern. Zudem wird Mountainbiking und Canyoning angeboten. Die Liste blieb lang, denn die Woche war mit lohnenden Spaziergängen und Wanderungen ausgefüllt.

Madeiras Naturzauber hat viele Facetten. In den verschiedenen „Klimazonen“ (subtropisch, mediterran und brrrr) gibt es entsprechende Pflanzen und Gemüse zu bewundern. Tiere sind hier rar vertreten. Ausser Hunde, Katzen, Vögel,Fische, Eidechsen und einer toten Maus habe ich nichts entdecken können.

Leider kapierte ich spät, dass es besser ist  Wanderungen zu unterlassen, die im Reiseführer zu den Top-Ten zählen. Massen an Menschen schubsten sich die Wege entlang. Keine Möglichkeit mehr zu geniessen, fotografieren und den Gedanken freien Lauf zu lassen. Schade. Die etwas abgelegenen Wege und anspruchsvolleren Wanderungen faszinieren mich aber vom ersten Augenblick an. Egal, ob es der saftige Lorbeerwald ,die karge Landzunge  oder der Berg ist. Traumhaft.

 

Die Bewohner der Insel sind durchweg freundlich. Trotz teilweise starker Armut begegnen sie mir hilfsbereit und gastfreundlich. Umso wütender werde ich, als ich erfahre, dass Touristen einige Levadawege meiden oder sich nur noch in Gruppen auf eine Wanderung begeben. Und dies nur aufgrund einer Warnung eines Reiseführers, der wenige Überfälle beschreibt. Und schwupp geraten die meist älteren Touristen (im November : auffällig viele Urlauber aus D/A/CH) in Panik und sind voller Vorurteile gegen die armen Einwohner.I

Alleinreisene Frauen können getrost diese wunderbare Insel erkundschaften. Anschluss fand ich schnell. Danke an Monika, Markus, Katrin und Michael! Und wer Ruhe braucht, geniesst einfach diese ausserordentliche Natur. Viel Vorbereitung braucht es nicht. Kurz die  No Go`s und To Do`s lesen und auf geht es.

 

 

Dampfschifffahrt auf dem Bodensee

Ich träume noch immer davon. Eine Einladung ermöglichte es mir , dieses Kleinod kennenzulernen.

Die perfekte Kulisse für ein Fest mit elegantem Ambiente bietet das Dampfschiff Hohentwiel.  Alles ist perfekt abgestimmt. Das Schiff wird von einem gestylten bärtigen Kapitain geführt, der gerne die alten Instrumente erklärt und auch mal das Ruder abgibt.

Mit einem Glas Sekt kann man das Dampfschiff erkunden. Das Holz ist poliert und glänzt . Alle Details sind liebevoll restauriert. Kein Wunder also, dass es untersagt ist mit Pfennigabsätzen das Boot zu betreten. Wer es nicht wusste, wird mit Schläppchen versorgt, die eventuell nicht ganz zur Abendgarderobe passen 😉

Mit an Bord ist eine erstklassige Band, die das traumhaft gezauberte Abendessen mit stimmungsvoller Bossa-Nova-Musik untermalt. Irre, was die Köche in  der Bonsaiküche zaubern. Jeder Griff sitzt und man merkt, dass sie als Team klasse funktionieren.  Und während sie das Creme brulee mit dem Gasbrenner bearbeiten ist noch Zeit für ein Schwätzchen mit mir. Freu.

Auf den Liegestühlen auf Deck kann man anschliessend den Sonnenuntergang bewundern und vor sich hin träumen.

Viel zu schnell verging die Fahrt auf dem stimmungsvollen Bodensee. Wehmütig verlässe ich nun  Schiff und werde vom Personal herzlich verabschiedet.

 

 

Ich hoffe, dass es bald wieder eine Gelegenheit gibt, auf diesem Schiff ein paar Stunden verbringen zu können. ..

 

Italienisches WC

 

Kaum schliessen sich die Türen der WCs oder Duschen, werden die Stirnfurchen tiefer und der Mundwinkel verzieht sich zu einem grossen Fragezeichen. Wenn die Tochter fragt:“Mami, wozu ist denn die Schüssel da? „und die Antwort ausweichend:“ Dafür bist Du zu klein“ heisst, dann ist klar, dass bei der einen oder anderen noch offene Fragen sind.  Auch ich hatte nur eine vage Vorstellung und konnte weder  die Funktion noch  den Nutzen der jeweiligen Schüssel beschreiben.

Ein Tabuthema, dem ich mich einfach mal annehme. Auf einem Camping-Platz am Gardasee war es endlich soweit. Ich konnte eine waschechte Italienerin, die sich tagtäglich mit den Räumlichkeiten beschäftigte, interviewen.  Hier also die Ergebnisse:

Das Steh-Clo (in Europa ist der Ausdruck  Hocktoilette treffender)

Eine hygienische Sache, denn nichts hat Kontakt mit der Schüssel. Nur die Oberschenkelmuskulatur und der Gleichgewichtssinn wird gefordert. Hat man hier Defizite, kann man sich an der Wand ausbalancieren.

  • Füsse auf die geriffelten Stellen
  • Ab in die Hocke und stabile Haltung einnehmen.
  • Ob Hintern zum Loch oder umgedreht, sei Geschmackssache. Einfach ausprobieren. (Je nach Geschäft, wird meist das Loch als Treffer-Versenkt-Variante bevorzugt)
  • Papier nach Benutzung in das Körbchen oder Eimer .Auch Damenbinden und „Dings“(was auch immer damit gemeint war) gehören nicht ins Clo.  Falls nur ein Bottel Wassser zur Verfügung steht, ist dies für die Reinigung der Genitalien gedacht.
  • Spülung betätigen ; bzw. mit Wasser das „Spülgut“ ab in das Loch schwemmen.
  • Auch eine vorhandene Clobürste (Luxus, aber es gibt sie), darf verwendet werden.

 Waschräume für die Frau

Noch eine Schüssel beschäftigt manche Frauen. Ist das nun für die Füsse ? Oder doch ein Bidet?Ohne WC?  Hmm. Aehhh.

Ist diese Schüssel neben einem WC, ist der Einsatz klar. Das ist ein Bidet: zum Waschen der diversen Oeffnungen nach dem Toilettenbesuch. Was aber, wenn das Ding in einem Raum mit einer Dusche und Waschbecken steht? Und nur bei den Frauen, nicht aber bein den Männernwaschräumen?

“ Multifunktionell „“ lautete die Antwort meiner italienischen Clofrau. Primär für die weiblichen Genitalien gedacht, wenn eine Dusche ausgelassen wird. Aber man kann es auch mal für die Füsse benutzen…

Aha.Nun gut. Gefunden  habe ich eine nette Zeichnung, die eigentlich schon alles erklärt:

 

Wandern am Gardasee – Monte Baldo

Nachdem  ich die getestete leichte Route des Wanderführer Kompass am Gardasee nicht berauschend fand, wagte ich mich trotz der Schlechtwetterwarnung für den Nachmittag an eine mittelschwere Route ran. Der Cima Valdritta auf dem Monte Baldo fand ich genau richtig für mich. Nur 500 hm Aufstieg zum 2218 m  hohen Gipfel.  Ganz mein Geschmack.

Also packe ich wieder meinen Rucksack mit Regenbekleidung, Stöcken, Vesper und viel Wasser. Schwer beladen steig ich in die Seilbahn von Malcesine ein. Dort lerne ich auch prompt den sympathischen Wanderer Markus kennen, der mich begleitet. Die Seilbahn bringt uns auf die Bergstation auf 1752 m.Kommentare 0

Von dort geht es gemütlich leicht abwärts in den Bocca Tratto Spino. Bevor der Weg nun alpiner wird , kann man Steinmännchen bewundern, die hier mit Muse gebaut wurden. Der Weg wird nun steinig  und verengt sich zur Cima delle Pozzette- 2132 m hin. Ein hochroter Kopf ist nun Dauerzustand. Dummerweise ist es erstens doch wärmer als vermutet und zweitens entpuppt sich mein Begleiter als ziemlich sportlich und spornt mich zu Höchstleistungen an. Statt 1,5 h zum Cima Pozzetta nur 2 h. Boah! Er lässt sich auch nicht abbringen, nachdem ich ihm die Ausrüstung um den Hals hänge. Pff.

Auf dem Gipel des Cima della Pozzette fordere ich meine wohlverdiente Pause ein. Schön hier. Aussicht auf den Gardasee zur einen Seite hin und zur anderen Seite kann man die Wiesen und das anschliessende Tal bewundern.

Was für das Auge wunderschön ist, ist für einen Weitermarsch bedenklich. Dunkelgraue Wolken ziehen schon hoch und bedecken bald den Cima Valdritta vor uns. Die Wettervorhersage mit Regen und Gewitter scheint etwas früher zu zutreffen. Das ist zu gefährlich und wir begeben uns auf den Rückweg. Auf der Bergstation ist es noch schwülwarm und so entscheiden wir uns für den Abstieg auf die Mittelstation. Manchmal ist es besser, wenn man nicht weiss, was auf einen zukommt. Wackelpudding in den Knien war die Folge des Abstiegs nach St. Michele auf 556 m. Hier nieselt es bereits leicht und ich freue mich auf die ankommende Seilbahn.

 

 

In Malcesine hört man nur in der Ferne das Grollen des vorbeiziehendes Gewitters und das leckere Abendessen ist ein toller Ausklang. Alles richtig gemacht.  Diese Tour möchte ich gerne nochmals vollständig laufen…

 

 

Wandern am Gardasee; Nodice

 

Der Gardasee bietet nicht nur die Möglichkeit des Kletterns um Arco und Co. Das mediterrane Ambiente lässt sich auch mit Wanderschuhen prima geniessen. Mein Domizil habe ich in Riva auf einem etwas abseits gelegenem Campingplatz aufgeschlagen. Ich kaufe mir noch schnell den Wanderführer Kompass und suche mir eine einfache Route aus. Erst mal schauen, wie  die Routeneinteilungen zu mir passen. Meist brauche ich wesentlich länger als im Buch veranschlagt. Schuhe an und los geht es:

 

Nodice, 859 m

Ich starte direkt vom Campingplatz und latsche mit festen Wanderschuhen und Stöcken bei schwülwarmen 28 Grad durch Riva zum offiziellen Startpunkt an der Gardesana Occidentale . Von dort gelangt man schnurstracks berwärts auf die alte Tonalestrasse. Immer leicht ansteigend läuft man hier auf leichtem Schotter .  Der Weg führt durch viele Tunnels, die sich auch umgehen lassen. Der Blick immer auf den Gardasee gerichtet.  Zumindest , wenn es der Verkehr zulässt. Denn man ist hier nicht alleine! Mist. Wenige Wanderer , aber um so mehr Mountainbike-Fahrer tümmeln sich hier. Der Weg ist dummerweise auch dafür ausgezeichnet und bekannt. Arrgh.  Nach x  Bikern ist mir die Ansicht der meist hübschen Rückenansichten egal und ich wünsche mir eine „Radfahrerflutschundwegöffnung“. Nach einer Weile schlängelt sich der Weg in Serpetinen den Hügel hoch. Asphalt! Welch Wohltat, wenn ich kleine versteckte Wanderwege entdecke, die den Weg etwas abkürzen, aber etwas Flair des Wanderns einhauchen.

 

Anschliessend landet man in Pregasina. Ein kleines Dörfchen, mit einer überdimensionalen Madonnastatue und Einkehrmöglichkeit. Hier werden die Radfahrer weniger, denn der Weg wird nun immer steiler und verändert sich nach der Kirche endlich wieder zu einem Wanderweg und dann zu einem Steig. In Bocca da Le gibt es diverse Möglichkeiten den höchsten Punkt des Nodices zu erreichen. Ein kurzes Stück ist mit Drahtseil abgesichert, jedoch  ist der Weg auch hier verhältnismässig breit. Der Ausblick über den Gardasee und die heissen Füsse lassen mich Rast machen.

Zurück geht es auf einem gut beschilderten Weg. Nach etwas Ruhe landet man leider wieder die letzten Kilometer auf dem bereits gelaufenem Anstiegsweg nach Riva. Aber dieses Mal mit weniger Radler, denn ich habe wie immer viel länger gebraucht und nun ist es bereits Abend 🙂

 

Lt. Kompass-Führer: 

  • leichte Route ( stimmt: breite und gut beschildert. Allerdings oft Asphalt, das mit einfachen Trekkingschuhen angenehmer gewesen wäre)
  • 13 km ( ich habe ca 16 km hinter mir)
  • 795 hm (merkt man anfangs nicht, da stetig ansteigend, nur kurzstreckige steile Wege)
  • 4:15 h  (ähmmmm.  Bei mir waren es 6,5 h. Gelten als Ausrede: 2 längere Pausen, 1 Eisessen in Riva und  fotografieren ?)

Parque Nacional Huerquehue — März 2014

Von Pucon aus gibt es Minibusse zum Eingang des Nationalparkes. Da dieser sehr leicht zu erreichen ist, sind die Busse meist überfüllt.  Der Conaf verlangt eine Gebühr pro Tag  und falls man campen möchte, wird man ebenfalls gleich 12000 Peso los. Dieser ist auf max 2 Nächte limitiert. Nichts mit spontanen Planungen und zudem ein Start in den Park mit Massen an Leuten. Bäh. Ein grosser gelber Erlaubnisschein baumelt nun am Rucksack. Das hat sich im Reiseführer anders angehört. Da wir nun schon mal hier sind, watscheln wir los.

Die Sonne begleitet uns auf den serpentienartigen Sendero Los Lagos auf 1300 m. Durch dichten Südbuchenwald mit Wasserfällen. Dann folgt ein Waldabschnitt mit Araukarien , die eine ganz Reihe an hübschen Seen einrahmen. Inzwischen begegnen uns nur noch wenige Wanderer, da die Tagesausflügler wieder umdrehen mussten. Sehr schön! Die Wege sind gut ausgetreten und es ist fast unmöglich sich zu verirren. Verlässt man allerdings den Weg, kann es durchaus sein, dass einem mal eine Vogelspinne oder eine Tarantel begegnet. In unserem Fall war es eine Spinne ,die sich ein Bein als Mitlaufgelegenheit aussuchte. Kitzelt. Kühe entdecken wir auch im dichten Gestrüpp. Zudem zieren viele bunte Vögel die Landschaft.

Der Aussichtspunkt Mirador Renahue belohnt mit einer tollen Aussicht über die Schlucht. Danach geht es steil bergab zum Campingplatz Refugio Renahue. Eine einfache Wiese mit einem Plumps-Clo.  Ein Bächlein fliesst um den Platz. Bei dem Müll, den die Camper leider hier liegen lassen, traue ich dem Wasser nicht ganz und wir benutzen zum ersten Mal den Wasserfilter. Der ist schlagartig im Dauergebrauch bei den anderen wenigen Campingbesucher.

In beiden Nächten werden wir von einer Maus heimgesucht, die wohl an die Müsliriegel wollte. 2 Löcher stellen die Wasserdichtigkeit arg in Frage. Notdürftig wird es mit einem Klebeband geklebt.

Wir unternehmen einen Tagesausflug zur Lagune Angelina und genehmigen uns ein Bad. Hier schwirren blaue Libellen um uns herum und Fische knabbern am Zeh. Schöne Auszeit.

Wir beschliessen den Los Huerquenes weiter nordost zu wandern und die 5 -stündige Tour ans andere Ende des Nationalparks an der Termas de San Sebastian zu beenden. Hier bietet der Betreiber mehrere Hütten an. Zudem gibt es einen gut ausgerüsteten Zeltplatz für müde Camper. Auffallend sind die vielen Katzen, die sonst selten in Chile zu sehen sind. An die zahlreichen Hunde haben wir uns gewöhnt. Es gibt diverse heisse Becken.  Gerne kühle ich mich am kalten Gartenschlauch ab.

Guten Dinges verlassen wir nun den Park und möchten in das nächste Dorf Conco.  Das Trampen ist hier mühsamer. Viele Kilometer legen wir zu Fuss zurück. Nur abschnittsweise nimmt uns mal ein Lastfahrer mit. Ein harter Job. Endlich packt uns eine Dame, eine Nachbarin der frisch gewählten Präsidentin Michelle, ein. Wir freunden uns mit dem Ziel Temuco an und lassen uns die 80 km bequem durch die  schöne Natur fahren. Der Lago Caburgua und Corico zur Linken und der Blick zum Volcan Villarrica zur Rechten… Hübsch.

 

Rìo-Cochamò-Tal März 2014

Chochamò ist schon ein bekannter Begriff für Klettern in der Königsklasse. Da müssen wir uns auch mal umschauen.

Von Puerto Montt, einer Stadt, die mir so gar nicht gefällt, lassen wir uns mit einem Bus 2,5h durch das Seengebiet nach Cochamò chauffieren. Das Dorf wirkt ausgestorben. Die Hauptsaison ist definitiv vorbei. Baustellen überall. Eine Karte holen wir uns bei der  unbesetzten Touristeninformation. Das Restaurant an der Haupstrasse ist nett eingerichtet und bietet uns ein grandioses Frühstück für einen tollen Preis. Obwohl noch nicht geöffnet, dürfen wir uns stärken…Toll. Eine gute Grundlage für die bevorstehenden 12 km Fussmarsch.  Der Kopiershopinhaber verwandelt sich in einen Taxifahrer und bringt uns zum Start. Von dort aus müssen wir nun gehen.Autofrei!

Der Weg ins Tal ist wunderschön. Man folgt dem alten Holzbohlenweg und darf durch einen Mischwald am Rio Cochamo entlanglaufen.Ein Reiter begegnet uns. Irre, wie  die Pferde den steinigen,matschigen und schmalen Weg  bewältigen.Eine sehr schöne Tour!

Am Abend kommen in La Junta an. Wir entscheiden uns für den Zeltplatz. Hier leben ganz sicher Trolle und Elfen!!  Nur ein paar passionierte Kletterer haben ihr Zelt hier ebenfalls aufgebaut. Das Clo und die Dusche sind sehr ökologisch durchdacht. Für das internationale Publikum sind Zeichnungen für die Benutzung aufgehängt 🙂

Von hier aus gibt es einige Möglichkeiten zum Trekking, wenn man nicht unbedingt klettern kann. Und diese  Wege sind zum Teil auch kein Zuckerschlecken, machen aber unglaublich viel Spass. Die Wege sind sehr abwechslungsreich. Matsch, Holz, Brücken, Bäume, Seil zum Hochhangeln… es wird nicht langweilig. Zeitweise sind die Wege  nur mit einem schicken Plastikbändel gekennzeichnet.

 

Nun sind ein paar Tage schlechtes Wetter vorgesagt. Schade. Da das Zelten bei Regen an mehreren Tagen nun wirklich kein Spass macht, quartieren wir uns im Refugio Cochamò ein.  Um dorthin zu kommen, muss man einen Fluss mit einem Flaschenzugsystem überqueren.Ein US-Kletterer und eine Argentinierin haben hier ein heimeliges Holzhaus gebaut.An den Hausherrn schicke ich hiermit noch einen kleinen „Gute Besserung“-Wunsch. Er hat sich die Huefte auf dem Campingplatz gebrochen… Eine kleine Auswahl an Essen hat es auch. Fleischfrei..ausser einer selbstgemachten Pizza, die auch mit Salami angeboten wird 🙂 Hier verbringen wir einen Tag gerne und warten besseres Wetter für den Rückweg ab. Bei diesen Wassermengen verwandelt sich der Weg in eine Wasserrutschbahn. Das Wasser versickert schnell und der Rückweg ist ebenso spannend. ..

Sehr zu empfehlen. Wir kommen wieder!