Kategorie -Drinnen

Bücherbaum

Ich lese gerne. Damit ich bei den Umzügen nicht mehr die schweren Kisten schleppen muss, bin ich die letzten Jahre dazu übergegangen, mir den Lesestoff in Papierform aus der Bücherei zu holen. Hingehen-schmökern-ausleihen-lesen-zurückbringen.

In entfernten Städten ist dies jedoch nicht wirklich möglich. Und wenn man dann noch das ebook (für mich nur eine praktische Alternative zum Buch) vergisst, ist das nervig.

Um so genialer finde ich die Idee eines Bücherbaumes. Hier kann sich jeder kostenfrei ein Buch holen, lesen und dann entscheiden, was er macht. Behalten oder zurückbringen.

Warum nicht die Bücher, die zu Hause als Staubfänger dienen, einfach einpacken und einstellen?  Die Nächsten freut`s, wenn neues Material im Bücherbaum steht.

gesehen in Ostrach

 

vom Erfolg und Scheitern beim Fasten…

Überaus motiviert ging ich an meinen Fastenplan heran. So teilte ich mir die 6 Wochen Verzicht vor Ostern ein:

6 Wochen : Keine Schokolade,Kuchen,Kekse +

5 Wochen: Kein Alkohol +

4 Wochen : Kein Brot/Müsle /keine Nudeln/keinen Reis.. +

3 Wochen:  Kein Fleisch/keine Wurst +

2 Wochen: Keinen Kaffee +

1 Woche: Kein Handy, keine heisse Dusche

 

Wie ich scheiterte und was das Fasten sonst noch mit mir angestellt hat :

1.Woche:

Den Schokoladenverzicht habe ich fast durchgehalten. Nur am Betriebsausflug überredeten mich meine Arbeitskolleginnen zum Nachtisch: Eis in 3-facher Ausführung! Meine Ausrede: Tiramisu-Eis ist ja keine Schokolade. Naja. Und eine heisse Schokolade zählte ich zu den Getränken dazu…hüstel..

2.Woche:

+ Alkoholverbot: Kein Problem.

3.Woche:

+ Kein Müsli zum Frühstück.  Das Frühstück war leicht zum Ersetzen: Quark, Joghurt, Eier, Obst…da lässt sich noch ordentlich was zaubern.  In Unmengen futterte ich diverse Milchspeisen und Obst. Diesem Umstand habe ich es wohl zu verdanken, dass ich während der Grippe/Erkältungswelle eine der raren „Keimfreien“ war. Allerdings übersäuerte mein Magen ziemlich schnell.

Käse auf s Brot und das Problem wäre gelöst. Aber neiiiin. Brot ist ja tabu… Hier dann also die nächste Mogelei: Ich kaufte Grosspackungen an Wasa-Knäckebrot und belegte es dreifach, so dass dieses hauchdünne brotähnliche Gebilde unsichtbar wurde.

Ausserdem  aß ich gedankenlos bei diesem schon o.g. Betriebsausflug ein Gipfele…arrgh

Meine Stimmung sank . Müdigkeit bestimmt den Tag. Ich schob es mal auf das Wetter…

4.Woche:

+ Kein Fleisch und keine Wurst. Das wurde nun richtig kompliziert. Denn nur Salatblätter mit Tofu naschen halte ich nicht durch.  Rezepte wurden durchforstet und ich staune, was man so alles kochen kann. Aufläufe, Gemüseburger, Fisch, Suppen… So lecker habe ich schon lange nicht mehr gegessen.

Und trotzdem nahm die Müdigkeit zu.  Zudem wurde ich schnell reizbar und zickte des öfteren. Ich schob es wieder auf das Wetter und auf die überbordende Arbeit bei mieser Stimmung.

5.Woche:

+Keinen Kaffee. Das war Folter. Mein  morgendliches Ritual ,3 Kaffees zu schlürfen, wurde aufgehoben. Stattdessen fristete ich mein Dasein bei  Wasser und Tee.  Während der Arbeit blieb mir nur der neidvolle Blick in die Kaffeetassen der Arbeitskollegen…

Nun gelangte  mein psychischer Zustand an den  Rand des erträglichen.  Ich bin: müde, träge, schlecht gelaunt und nahe am Wasser gebaut. Und das 24 Stunden am Tag.

Aber irgendwie musste ich auch arbeiten. Also kommt die nächste Mogelei: entkoffeinierter Kaffee. In einer Ecke findet sich eine erst seit 2 Jahren abgelaufene halbe Packung .  Immerhin noch bräunliches Pulver , das sich mit dem verstaubten Bodum-Kaffeemacher in eine warme braune Brühe verwandeln lässt.

6.Woche:

+Kein Handy. Erstaunlich, wie schnell ich hier positives rausziehen konnte. Plötzlich hatte ich mehr Zeit. Morgens keine mails, sms und posts zur braunen Brühe mehr. Das bedeutete 15 min länger schlafen. Sehr wertvoll! Verabredungen wurden über das sogenannte Festnetz ausgemacht. Auch ganz nett.

In dieser letzten Woche wollte ich zusätzlich auch dem warmen Wasser entsagen und als Powerfrau dastehen. Stattdessen sah ich im Spiegel eine übermüdete und  kraftlose Visage, die am Rande des Nervenzusammenbruchs war. Also lies ich den letzten Teil einfach weg.

Dann kam  Ostern… Ich feierte Geburtstag mit Freunden bei Pizza, Schokolade und Sekt. Komisch. Seit diesem Tag geht es mit meiner Verfassung (und auch mit  meinem Gewicht) wieder  steil bergauf.

An was das wohl liegt? Habe ich mich mit den Mottos übernommen? Dabei habe ich sicherlich keine Defizite bei der Ernährung gehabt. Oder lag es doch nur am Wetter und an der Arbeit? (Wobei das Wetter und die Arbeit unverändert mies sind).

Fazit:

pfui:

  • Betriebsfeste sind böse.
  • Mogeleien =  Selbstverarschung = Scheitern
  • Übernommen und meine Disziplin überschätzt

 

 huis 

  • 2 kg Gewichtverlust
  • Smartphonezeiten bleiben reduziert , dadurch mehr Zeit

Das Unterfangen war eine einmalige Sache und wird  nicht mehr in dieser Art wiederholt. So!

 

 

Mottofasten

…hört sich für mich umsetzbar an. Bisher sah ich keine Notwendigkeit dies zu tun, aber als man(n) mich fragte, ob ich nicht auch in der Fastenzeit „Verzicht“üben möchte, nickte ich motiviert zu. Ehrlicherweise eher aus der Hoffnung heraus, dass ich meinen Wohlfühlwinterspeck etwas reduzieren kann, da sich dieser die letzten Monate  auffällig hartnäckig um die Hüften klammert und Hosen zum explodieren bringt.

Ausserdem schadet es nicht, wenn dieser täglicher Überfluss an Leckereien und Komfort ins Bewusstsein tritt. Ich möchte innehalten und reduzieren, damit ich  dankbar für das bin, was für mich schon eine Selbstverständlichkeit darstellt. Warum nicht.

Damit diese 6 Wochen nicht von Beginn an zum Scheitern verurteilt sind, entscheide ich mich für Fasten in Häppchen.  Jede Woche wähle ich einen zusätzlichen Verzicht zu meinem Hauptthema, der Süssigkeitenabstinenz.

Und so sieht mein Plan aus:

  • 6 Wochen keine Süssigkeiten (Kuchen/ Schokolade / Kekse etc., also alles, was mich seit November 2016 täglich begleitet und zu einem Suchtverhalten geführt hat. )
  • 5 Wochen kein Alkohol
  • 4 Wochen : keine Kohlenhydrate. Dazu zählt für mich: Brot/Nudeln/Reis/Müsli ….Arrgh. Das wird hart.( Bei anderen Inhaltsstoffen, die auch zu den Kohlenhydrate zählen, bin ich strikt zu faul, diese akribisch zu enttarnen)
  • 3 Wochen: keine Fleisch- und Wurstwaren
  • 2 Wochen: keinen  Kaffee ( Mist. Mein Laster schlechthin. Das gibt Entzugskopfweh!
  • 1 Woche: Das Mobiltelefon wird ausgeschaltet. Nur Anrufe über Festnetz sind angesagt. / Kein Warmwasser für die Körperpflege.

 

Ich bin gespannt, ob ich durchhalten werde und wie es sich anfühlt. Oder drehe ich dann völlig durch? Mal schauen.

Der Mistelzweig…

Als kräftige Unterstützung zu Weihnachten, dem Fest der Liebe, bekam ich einen wunderschönen Mistelzweig geschenkt.  Zuerst hing er zur Freude meiner Nachbarn im Treppenhaushaus, die sich ganz dem Brauch nach unter dem Zweig küssten. Da ich hier eindeutig zu kurz kam, bekam er nun einen festen Platz an der Eingangstür. MEINER Eingangstür. Und ich muss sagen, ich bin begeistert. Er sieht nicht nur toll aus, sondern erinnert immer wieder daran, dass da ruhig etwas mehr geküsst werden darf. Also wollte ich diesen Halbparasit zum Ganzjahresgewächs an meiner Tür erklären. Es irritierte mich allerdings, dass man diesem Zweig nur zu Weihnachten grössere Beachtung schenkt. Die Recherchen im Internet bei Brauchwiki sind spannend: lies mich doch mal.

Schade, dass dieser Brauch tatsächlich nur bis zum 06.01. ausgeführt werden kann. Nun denn: Immerhin hat mein Mistelzweig ganz viele Beeren hängen. Ein guter Start ins neue Jahr!

 

 

widersprüchlich: besinnliche Adventszeit im Spital

Es ist Advent. Eigentlich sind diese 4 Wochen dazu gedacht, um runterzukommen. Etwas Ruhe zu finden, um sich auf Weihnachten vorzubereiten. Kein Trubel, kein Stress.

ABER DAS IST UTOPISCH!

 

Die Menschen drehen vor Weihnachten völlig durch. Das Krankenhaus quillt über.

Das Klientel:  

  1. Die  Kranken und Verletzten
  2. Die Leidenden: Unter dieser Kategorie zu finden sind:  Männerschnupfen,  hohes Fieber von 37.5C. etc.
  3. Die Berechnenden: Das sind Menschen, die teilweise unverschämt und mit Lügen Druck ausüben, um noch alle Untersuchungen/Eingriffe im alten Jahr erledigen zu können. Das macht man, wenn die Jahresfranchis im laufenendem Jahr schon abbezahlt ist und nun die meisten Krankenhauskosten von der Krankenkasse übernommen wird.
  4. Psychisch Kranke: Arme Menschen, denen der Weihnachtstrubel zusätzlich zusetzt und nun mit psychosomatischen Problemen das Krankenhaus aufsuchen.
  5. Notfälle, die als solches deklariert werden, obwohl sie keine sind (z.B. zwickendes Knie seit 8 Monaten), weil der Patient in Urlaub möchte oder der Hausarzt über die Feiertage geschlossen hat. Da kann man natürlich nicht noch 3 Wochen länger warten.
  6. Patienten, die vor Weihnachten entlassen werden möchten und alle Formalitäten und Untersuchungen, sowie Therapien im Sauseschritt dazu benötigen.

Klar, diese sind das ganze Jahr anzutreffen, aber vor allem die Anzahl der Patienten der Kategorie 2-5 steigt  um das Jahresende rapide an.

Die Stimmung ist gestresst und kann nur bedingt durch besinnliche Events aufgefangen werden. Ganz grotesk war heute z.B. die Situation, dass ein Minichor uns eine Freude machen wollte und in der Röntgenabteilung ein Ständchen sang. Doch niemand konnte innehalten und zuhören. In einem Röntgenraum schrie ein Kind, durch den Gang wetzte ein Rea-Team und das Röntgenpersonal schob sich an den Sängern vorbei, um die entnervt wartenden Patienten abzuholen.

Überstunden sind an der Tagesordnung und es fällt schwer den Schalter nach Feierabend auf „Slow-down “ zu stellen.

Die Adventszeit in meiner Kindheit ist geprägt von vielen wundervollen Momenten bei Kerzenschein. Klingt richtig kitschig, ich weiss, aber für mich wertvoll genug, um es jedes Jahr anzustreben. Vielleicht das nächste Jahr. Seufz.

Nun steht Weihnachten vor der Tür . Ich bin optimistisch, dass ich es wenigstens hier schaffe kurz innezuhalten. Ich darf die  Tage mit meinen Lieblingsmenschen verbringen….(weihnachten in der Familie)

Allen Weihnachtsgestressten eine dicke Umarmung.

 

 

 

 

 

Händedesinfektion vor,während, danach, zwischendurch …

Immer wieder hört man von Fällen, in denen Patienten im Krankenhaus mit Keimen konfrontiert  werden, sie nicht mitgebracht haben. Eine Tatsache, die schlimm  ausgehen kann, da gerade das Immunsystem der Patienten häufig geschwächt ist und sie sich mit diesen Keimen eine weitere Erkrankung holen (= nosokomiale Infektion). Lt. dem Robert Koch Institut sind in Deutschland  bis zu 800 000/jährlich  nosokomiale Infektionen bekannt. 80% davon  werden über die Hände übertragen.

 

Somit wird deutlich, wie wichtig die Händedesinfektion des Personals ist, um möglichst keine Keime auf den Patienten zu übertragen.

Ebenso ist es eine Tatsache, dass vor allem Tastaturen, Türklinken etc. tolle Keimträger sind. Und da  in den meisten Krankenhäuser der Computer zum Hauptgeschäft dazu gehört, ist eine Händedesinfektion vor und nach der Computerbedienung unerlässlich.

In sämtlichen medizinischen Diagnostikbereichen ist ein hoher Patientendurchlauf Alltag. Ebenso gehört die Bedienung eines PCs, in dem die Patientenakte eingepflegt ist, zum Hauptwerkzeug. Hier wird dokumentiert, verrechnet, beauftragt und aktualisiert.

Nun gibt es zum Glück Hygiene-Richtlinen, die versuchen dem Übel der krankmachenden Keimen beizukommen Diese beschreibt die korrekte Anwendung der Desinfektion.

Hier ein Rechenbeispiel :

30 Patienten fallen auf eine Röntgen-Fachfrau.

  • Vor Patientenkontakt Hände desinfizieren (30 sek)
  • Patienten begrüssen/event. umziehen helfen/lagern für das Röntgenbild (ebenfalls vielfach digital)
  • Hände/event. Rö-Detektor /Kassette desinfizieren(30 sek)
  • 1 Röntgenbild am Rö-Gerät erstellen
  • für die 2.Ebene zum Patienten um neu zu lagern
  • Hände/event. Rö-Detektor /Kassette desinfizieren (30 sek)
  • 2. Röntgenbild am Rö-Gerät erstellen
  • Patientendokumentation am PC
  • Hände desinfizieren (30 sek)
  • Patient verabschieden/ event.umziehen helfen
  • Arbeitsfläche frisch machen/ desinfizieren
  • Hände desinfizieren (30 sek)

Das macht pro Patient und einem einfachen Röntgenauftrag: 150 sek Händedesinfektion

150 sek x 30 Patienten = 4500 sek =75 min  reiner Zeitaufwand für Händedesinfektion. Ohne Berücksichtigung von WC-Gängen/Pausen/anderen Patientenkontakten…

 

75 min Hände desinfizieren/Tag/1 Radiologie-Fachfrau…

 

Auch mit Handschuhen tragen/wechseln kommt man nicht von dieser Zeit runter.

 

Tatsache ist, das die Händedesinfektion ein sehr wichtiger Bestandteil in der Hygiene ist. Aber auch ein Grund, warum es manchmal zu Wartezeiten kommen kann 😉

 

 

Blinde Kuh

Auf einem Gutschein für mich, steht ein Abendessen in der Blinden Kuh in Zürich an. Zunächst bin ich etwas überfordert, da ich mir nichts darunter vorstellen kann. Erstaunlicherweise kennen das Restaurant viele meiner Mitmenschen. Es sei ein Dunkelrestaurant. Den Rest muss man selbst erleben. Für mich bedeutet dies eine Premiere.

Der Eingang erinnert an eine Rezeption eines Hotels. Ein netter Portier bittet uns die Tasche samt Inhalt in die bereitgestellten Spinds zu schliessen. Der Grund ist banal. Erstens ist es mehr als lästig, wenn im Dunkeln etwas verloren geht und zweitens werden so alle Lichtquellen eliminiert. Die Auswahl auf der Menükarte ist übersichtlich, was gut ist, denn man muss sich merken, was später gegessen werden will.

Ab nun ist alles neu. Eine Bedienung namens Elisabeth nimmt uns in Empfang. Sie selbst ist blind und gibt uns Instruktionen, wie wir uns drinnen verhalten sollen, wenn jemand sich unwohl fühlt, oder etwas bestellen möchte.

Die Hànde auf die Schultern des Vordermannes gelegt und los geht es in eine Art abgdunkelte Schleuse, damit man sich etwas an die Dunkelheit gewöhnen kann. Und drei Schritte weiter ist nichts mehr wie vorher.

Dunkelheit und Stimmengewirr dominieren in einer unbekannten Gegend. Nun müssen wir unserer Vorderfrau völlig vertrauen, dass wir unseren Tisch erreichen, ohne den anderen Gästen unterwegs den Tisch abzuräumen. Verbissen versuche ich irgendetwas mit meinen Augen zu erhaschen. Nichts. So eine Dunkelheit habe ich zuvor noch nie erlebt. Normalerweise erkennt man irgendwann Schatten oder Umrisse. Aber nicht hier. Es ist einfach nur finster und laut. Elisabeth führt uns sicher an die Plätze und weiß mit ausgesuchten Worten uns gut zu führen. Endlich kann ich sitzen und habe meine Umgebung schnell ertastet. Ich sitze an einem Rand. Neben mir nur ein Vorhang. Die Hände ganz sachte über den Tisch schiebend finde ich meine Freundin gegenüber. Wir bestellen ein Prosecco und bekommen ihn schon bald geliefert. Die Bedienung streift kurz orientierend an meinem Oberarm und stellt die Gläser ab. Oha. Anstossen ist eine Meisterleistung. Dann höre ich ein österreichische Stimme. Zuerst kann ich es nicht glauben, und doch ist es so. Ein Überraschungsgast für mich wird gerade auf den freien Platz neben uns geführt. Irre. Nur zu schade, dass ich sie weder umarmen noch sehen kann. Ich tätschel ihr aus Versehen vor Freude ins Auge und fege dabei fast das Glas vom Tisch.

Nun wird die Bestellung aufgenommen. Ich bestelle gefüllte Zucchini auf Kichererbsen und sonstigem Gemüse. Mein Spezial-Gast möchte sich ein Kotelett gönnen. Um den Kontakt zum Tisch nicht zu verlieren, hänge ich mit dem Oberkörper fast auf dem Tisch und tratsche mit meinen Freundinnen. Die Augen haben sich noch nicht an die Dunkelheit gewöhnt und suchen unaufhörlich einen Punkt zum Fixieren. Das tut schon fast weh.

Zuerst werden wir von der Küche mit einem kleinen Häppchen bedacht. Zum Glück beschreibt Elisabeth genau, was vor uns steht. Ein gebogener Löffel, der auf einer kleinen Schale liegt,  der zusätzlich Essbares beherbergt. Die Anhaltspunkte sind super. So kann man sich ein innerliches Bild erschaffen und die Hände am Rand gleiten lassen.

„Magst Du ein Brot?“ Es dauert etwas, bis das Brot zu mir findet, denn erst verschätzen wir uns in der Höhe und zudem möchte man die Gläser auch nicht verschütten. Zwischenzeitlich steht auch mein Schorley vor mir, welches ich mir selbst nachschenken muss. Also schnell den Finger ins Glas stecken und einschenken, damit nichts überlaufen kann. Zum Glück sieht mich hier wirklich niemand. Ich schäme mich ein bisschen, denn eine gute Figur mache ich sicher nicht.

Der Hauptgang stellt eine noch grössere Herausforderung dar. Jede zweite Gabel landet leer in meinem Mund. Bis ich endlich die Zucchini aufgepikst bekomme. Dass ich die nicht mehr hergebe ist klar und ich beisse einfach Stück für Stück davon ab. Ob ich die Beilage vollständig aus dem Teller bekommen habe, weiss nur der Abwäscher. Schade, dass ich nicht sehe, was ich esse, denn es schmeckt richtig lecker. Meine Freundin mit dem Kotelett hat sich auch schon für die Fingerfood-Variante entschieden und knabbert genüsslich an ihrem Stück Fleisch. Unsere Bedienung kümmert sich gut um uns und wir kommen auch ins Gespräch. Wir bedanken uns für ihre ausführlichen Beschreibungen und Hilfestellungen und fragen, ob auch sie nur diese Dunkelheit wahrnimmt. Die Antwort stimmt nachdenklich. „Ja“, meinte sie. Sie ist blind und würde sich freuen, wenn auch in der Welt draussen, sich die Menschen etwas mehr Zeit zum Reden nehmen würde. Sie bekommst ihre Bestellung meist ohne Kommentar und so muss sie sich in einer fremden Umgebung immer auf etwas Unbekanntes einlassen. Eine Meisterleistung.

Der Nachtisch, der aus einer Eiskugel besteht, ist schon leichter zu löffeln. Jeder möchte natürlich von den anderen probieren. Bis die Kugeln allerdings die Runde durchlaufen haben, ist fast nur noch eine zerflossene Masse vorhanden. Dabei sind Tauschaktionen schon einfacher, da die grazilen Sektgläser abgeräumt wurden.

Das Reden ist anstrengend. In dem Stimmengewirr die einzelnen Gesprächspartner auszumachen, fordert Konzentration. Zudem irren immer noch wild die Augen hin und her. Auf der Suche nach einem klitzekleinen Licht. Das schmerzt schon richtig. Ich versuche die Augen zu schliessen, aber auch das klappt nicht.

Die unmittelbaren Nachbarn sind bereits wieder losgezogen. Sie hatten sich in dieser Dunkelheit nicht wohlgefühlt. Ja, diese Menschen können es sich aussuchen. Aber Menschen, wie Elisabeth? Wie gerne würde auch sie sagen:“ Führen sie mich bitte wieder ins Licht“.

Irgendwann sind auch wir satt und möchten weiter. Es dauert allerdings, bis sich von uns jemand traut den Namen unserer Bedienung durch den Raum ins Nirgendwo zu rufen. Seltsame Hemmschwelle, aber ohne sie sind wir völlig aufgeschmissen. Sie hört uns und geleitet uns wieder nach draussen. Zuerst passieren wir die Schleuse, um die Augen wieder etwas an das Helle zu gewöhnen. Autsch, tut das weh. Wie gleisend hell es plötzlich ist.

Dann Freude, denn ich kann endlich meine Freundin sehen und umarmen. Ich mustere sie von oben bis unten, denn ich hatte sie schon lange nicht mehr gesehen. Ich kann sehen und ich freu mich um so mehr.

 

Ganz herzlichen Dank an das Team von dem Dunkelrestaurant „Blinden Kuh“ in Zürich. Es ist wirklich eine Erfahrung, die beängstigend, neu und sehr speziell ist. Ich hoffe, dass ich das nächste Mal empathischer und offener auf eine blinde Person zugehe.

Menschliche Exponate

Zum zweiten Mal besuche ich eine Ausstellung des Plastinators Gunther von Hagens.. Gerade jetzt, wo ich durch Intensivkurse meine Massagekenntnisse erweitere, finde ich das menschliche Gerüst um so spannender und vertiefe hier mein Wissen. Entdecke neues. Ich muss zugeben, dass ich fasziniert bin.

In meiner Ausbildung war ein Praktika in der Obduktion obligatorisch. Daher ist der Anblick  der inneren Organe für mich nicht schockierend. Und da der Formalingeruch sowie das typisch kühle Stahl-Fliesen-Ambiente wegfällt, kann ich mich voll auf die Anatomie fokussieren. Ich finde es unglaublich spannend, wie diese Ausstellungsstücke so abstrakt drapiert werden, um spezielle Einblicke in den menschlichen Körper zu gewähren. Leicht vergisst man, dass hier ein Verstorbener liegt/steht.

Nur eines darf ich nicht: Das Gesicht inspizieren. Wehe ich entdecke ein Detail wie ein Haar, die Braue…erschaudere ich. Nur nicht den Gedanken freien Lauf lassen. So ähnlich sich der Aufbau der menschlichen Hülle sind, so unterschiedlich und einzigartig ist die Seele.

Für die einen abartig und krank, für die anderen  spannend und lehrreich. Die Werke des Plastinators Gunther von Hagens werden umstritten bleiben. Eine Faszination besteht auf alle Fälle. Die Schlangen vor den Ausstellungshallen beweisen es.

Obwohl bald jeder Milimeter ausgeleuchtet wurde, sind noch so viele Fragen offen. Irgendwie beruhigend das zu wissen, trotz meiner Begeisterung um das Wissen in der Schulmedizin.

Der Mensch ist  ein Mysterium. Gut so..

 

 

körperwelten Körperweltn Gunter von Hagen

 

 

 

 

 

Quelle Beitrags-Bild: image.epd

Schlangenbiss und die Hilfe vom Bodensee naht

Ein Anruf in der Notzentrale: Ein Mensch wurde von einer Königskobra gebissen und benötigt dringend Hilfe!

Der Anruf kam 22:30 Uhr aus dem Ausland. Und plötzlich laufen die Drähte heiss. Ich arbeite in einem Krankenhaus am idyllischen Bodensee, das ein Depot für Schlangenserum hält. Wir stehen auf einer internationalen Versorgungsliste mit unseren gelagerten Antiveninen. Im Fall eines Bisses von exotischen Schlangen, ist schnelle Hilfe nötig. Bei Bedarf wird auch international ausgeholfen. Die Beschaffung und das  Lagern  der Antivenine ist teuer und aufwendig und wird daher nur auf wenige Zentren verteilt.

 

Eine unglaubliche  Maschinerie kam ins Rollen, als dieser Anruf kam. Ein Hubschrauber soll das Antivenom abholen. Das bedarf viele Telefonate, denn Sondergenehmigungen müssen eingeholt werden. Sämtliche Aemter/Behörden müssen kooperieren. Im besten Schulenglisch wird korrespondiert und die Hirnsynapsen laufen zur Nachtzeit auf Hochtouren.

Obwohl solche Einsätze(zum Glück)  selten sind, hat alles super funktioniert. Klasse.

In Deutschland/Schweiz gibt es zum Glück wenige Giftschlangen. Die Aspisviper und die Kreuzotter werden hier aufgezählt. Hin und wieder gibt es aber auch Fälle von Bissen bei Privathaltern von tropischen Giftschlangen.

Wir sind allzeit bereit!

 

Thrombosespritze

Ein aufgewühlter Anruf einer Freundin zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht. Sie muss sich einige Tage  prophylaktisch (= vorbeugend) Thrombosespritzen verabreichen. Zwar gibt es eine gute Anleitung zum Gebrauch der Spritzen, aber sich selbst eine Nadel in ein Körperteil zu stecken, ist nicht jedermanns Sache. Der Bitte, dass ich diesen Part übernehme, komme ich gerne nach.

Der Inhalt der Thrombosespritze wird subkutan ( unter die Haut , in das Unterfettgewebe) gespritzt. Dort wird es von den Zellen aufgenommen und in den Blutkreislauf transportiert, wo die Wirkung beginnt.  Als Einstichsort etabliert hat sich der Bauch, oder auch der Oberschenkel.

Wie geht man vor:

  • Geplante Einstichstelle mit einem Alkoholtupfer desinfizieren und einwirken lassen ( ca. 30 sek).
  • Fertigspritze aus der Verpackung nehmen.
  • Gummistopfen von der Nadel ziehen.
  • Mit einer Hand (am besten mit Daumen und Zeigefinger) die Haut an der Einstichstelle wegziehen und ein Röllchen bilden.
  • Die Nadel senkrecht und gerne etwas zügig in diese Hautfalte stecken. Picks. (Die Nadel ist so fein, dass man sie fast nicht spürt)
  • Nun das Medikament langsam(!!) injizieren.  Dazu den Kolben an der Spritze runterdrücken.
  • Die Nadel wieder senkrecht rausziehen.
  • Die Nadel entsorgen ( nach Anleitung, damit keine Stichverletzung möglich ist)

Ein leichtes Brennen oder Druckgefühl ist häufig und muss nicht beunruhigen.

Ich pikse lieber ( was man wohl hier schon erkennen konnte), als gepikst zu werden. Und diese Gelegenheit konnte ich mir nicht entgehen lassen, denn anschliessend folgte natürlich ein obligatorisches Frauengespräch ;-). Durchweg ein gelungener Abend!