Kategorie -Menschen

In guten und in schlechten Tagen…

Eltern im Krankenhaus

Bei einem Besuch im Krankenhaus stupst mich mein Freund an und nickt in Richtung meiner Liebsten…“Schau mal…so will ich auch alt werden…sie kümmern sich gegenseitig…sie lieben sich…“

Ich verstumme und beobachte. Da sitzen beide, gekennzeichnet durch Alter und Krankheit und strahlen  in dieser Zerbrechlichkeit Wärme aus. Es gab soeben Mittagessen für den Patient. Dieser eine  Teller  wird nun aufgeteilt und sie helfen sich gegenseitig beim Essen. Liebe-und respektvoll ist der Umgang.

 

Meist sind es Krankheiten, die das Leben extrem einschränken. Der Alltag wird zur Herausforderung und als Verwandte überlegt man sich, wie es weitergehen soll. Können sie sich noch selbstständig versorgen? Oder ist die Unfallgefahr doch zu gross? Oder bahnt sich sogar Verwahrlosung/Verschuldung an? Oder, oder, oder..

Plötzlich muss man Entscheidungen treffen. Die Vernunft stimmt für die diversen Möglichkeiten wie betreutes Wohnen, Kurzzeitpflege, Dauerpflege, Altersheim. Man krempelt die Ärmel hoch und beginnt zu organisieren. Tja, aber die Rechnung geht nicht auf. Die Hilfebedürftigen klammern sich an Gewohntes und wehren sich wehement gegen diese Planung. Sich im Alter an eine neue Umgebung gewöhnen? Neue Menschen kennenlernen, mit denen sie sich eventuell nicht verstehen werden? Sich auf eine Struktur einlassen, die nicht von ihnen selbst vorgegeben wird? Es wird gebockt….vordergründig…aber tief im Innern?

Warum habe ich nicht für einen kurzen Moment innegehalten und die Menschen beobachtet, die diese einschneidenden Veränderungen schliesslich betreffen?  Sie haben Angst. Spüren, dass sie sich nahe am letzten Lebensabschnitt befinden und dass ihnen die Selbstständigkeit entgleitet.

Allen Widrigkeiten zum Trotz zeigen sich Momente der Lebensfreude und Lebenskraft. Das ist dermassen eindrucksvoll, dass ich nur da sitzen und staunen kann.

Was soll man machen, wenn es zwei Menschen betrifft, die unterschiedliche Hilfe benötigen und auch dementsprechend verschieden von den Versicherungen/Krankenkassen eingestuft/unterstützt werden? Menschen trennen, die schon ein halbes Jahrhundert zusammen ihren Weg gemeistert haben? Das kann nicht die Lösung sein. Typisch Sesselpupser!

 

Tief durchatmen und nochmals in Ruhe alles durchgehen. Vielleicht gibt es doch umsetzbare Alternativen, damit Menschen so leben dürfen, wie sie es sich wünschen. Es bieten sich ambulante Hilfen/Tagespflege/externe Vollzeitbetreuer an.

Für meine Liebsten ist klar: Auch wenn es mühsam sein wird, wird ihr Weg gemeinsam weitergegangen. Schliesslich haben sie sich vor über 60 Jahren das Versprechen gegeben: “ In guten wie in schlechten Tagen..“

 

Der Mistelzweig…

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Als kräftige Unterstützung zu Weihnachten, dem Fest der Liebe, bekam ich einen wunderschönen Mistelzweig geschenkt.  Zuerst hing er zur Freude meiner Nachbarn im Treppenhaushaus, die sich ganz dem Brauch nach unter dem Zweig küssten. Da ich hier eindeutig zu kurz kam, bekam er nun einen festen Platz an der Eingangstür. MEINER Eingangstür. Und ich muss sagen, ich bin begeistert. Er sieht nicht nur toll aus, sondern erinnert immer wieder daran, dass da ruhig etwas mehr geküsst werden darf. Also wollte ich diesen Halbparasit zum Ganzjahresgewächs an meiner Tür erklären. Es irritierte mich allerdings, dass man diesem Zweig nur zu Weihnachten grössere Beachtung schenkt. Die Recherchen im Internet bei Brauchwiki sind spannend: lies mich doch mal.

Schade, dass dieser Brauch tatsächlich nur bis zum 06.01. ausgeführt werden kann. Nun denn: Immerhin hat mein Mistelzweig ganz viele Beeren hängen. Ein guter Start ins neue Jahr!

 

 

widersprüchlich: besinnliche Adventszeit im Spital

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Es ist Advent. Eigentlich sind diese 4 Wochen dazu gedacht, um runterzukommen. Etwas Ruhe zu finden, um sich auf Weihnachten vorzubereiten. Kein Trubel, kein Stress.

ABER DAS IST UTOPISCH!

 

Die Menschen drehen vor Weihnachten völlig durch. Das Krankenhaus quillt über.

Das Klientel:  

  1. Die  Kranken und Verletzten
  2. Die Leidenden: Unter dieser Kategorie zu finden sind:  Männerschnupfen,  hohes Fieber von 37.5C. etc.
  3. Die Berechnenden: Das sind Menschen, die teilweise unverschämt und mit Lügen Druck ausüben, um noch alle Untersuchungen/Eingriffe im alten Jahr erledigen zu können. Das macht man, wenn die Jahresfranchis im laufenendem Jahr schon abbezahlt ist und nun die meisten Krankenhauskosten von der Krankenkasse übernommen wird.
  4. Psychisch Kranke: Arme Menschen, denen der Weihnachtstrubel zusätzlich zusetzt und nun mit psychosomatischen Problemen das Krankenhaus aufsuchen.
  5. Notfälle, die als solches deklariert werden, obwohl sie keine sind (z.B. zwickendes Knie seit 8 Monaten), weil der Patient in Urlaub möchte oder der Hausarzt über die Feiertage geschlossen hat. Da kann man natürlich nicht noch 3 Wochen länger warten.
  6. Patienten, die vor Weihnachten entlassen werden möchten und alle Formalitäten und Untersuchungen, sowie Therapien im Sauseschritt dazu benötigen.

Klar, diese sind das ganze Jahr anzutreffen, aber vor allem die Anzahl der Patienten der Kategorie 2-5 steigt  um das Jahresende rapide an.

Die Stimmung ist gestresst und kann nur bedingt durch besinnliche Events aufgefangen werden. Ganz grotesk war heute z.B. die Situation, dass ein Minichor uns eine Freude machen wollte und in der Röntgenabteilung ein Ständchen sang. Doch niemand konnte innehalten und zuhören. In einem Röntgenraum schrie ein Kind, durch den Gang wetzte ein Rea-Team und das Röntgenpersonal schob sich an den Sängern vorbei, um die entnervt wartenden Patienten abzuholen.

Überstunden sind an der Tagesordnung und es fällt schwer den Schalter nach Feierabend auf „Slow-down “ zu stellen.

Die Adventszeit in meiner Kindheit ist geprägt von vielen wundervollen Momenten bei Kerzenschein. Klingt richtig kitschig, ich weiss, aber für mich wertvoll genug, um es jedes Jahr anzustreben. Vielleicht das nächste Jahr. Seufz.

Nun steht Weihnachten vor der Tür . Ich bin optimistisch, dass ich es wenigstens hier schaffe kurz innezuhalten. Ich darf die  Tage mit meinen Lieblingsmenschen verbringen….(weihnachten in der Familie)

Allen Weihnachtsgestressten eine dicke Umarmung.

 

 

 

 

 

Eine Schattenseite für die kleinen Helfern

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Eine Frau, die schon jahrelang für die Sozialstation arbeitet und als Haushaltshilfe fungiert, bricht weinend vor mir zusammen. Aufgerissene Augen gewähren einen kleinen Einblick in Ihre Seele. Sie hat Angst!

Stundenweise wäscht, bügel, putzt sie bei Pflegebedürftigen im Auftrag einer Sozialstation.  Auch viele an Demenz Erkrankten unterstützt sie so in ihrem Alltag.

Und aus dem Nichts heraus, bekommt sie nun einen bitterbösen drohenden Anruf  von einem (erwachsenen) Kind einer dementen Frau, die nun behauptet, dass die Haushaltshilfe diese bestohlen hätte. Die Haushaltshilfe, gut deutsch sprechend, aber mit einem Sprachfehler, ist völlig diesem anklagenden, beschimpfenden Anruf ausgeliefert und weiß nun, dass sie bei der  Polizei angezeigt wurde. Dong. Das sitzt.

Sie wartet nun jeden Tag auf einen Polizeianruf. Zudem plagen sie  Existenzängste und hat keine Ahnung, wie sie die Menschen von ihrer Unschuld überzeugen kann. Mit dieser Situation ist sie absolut überfordert.

Das ist leider die Schattenseite in einem Beruf, in dem man in die Privatsphäre anderer Menschen eindringt/eindringen muss.

Sicher gibt es auch schwarze Schafe, die Bedürftige um Erspartes oder Teures bringen. Geht gar nicht! Aber ich weiss aus eigener Erfahrung, dass es genauso viele (gefühlt viel mehr) unberechtigte Anschuldigungen gibt. Ein Patient warf in der Radiologie einen Gehstock nach mir, da er mich im Visier hatte, dass ich seine neue Zahnprothese eingeheimst hätte..eh klar 😉 . Als nach kurzer Suche seine Beißerchen im kleinen Tresor seiner Umkleidekabine gefunden wurde, war zwar Frieden, aber eine Entschuldigung wurde auch nicht ausgesprochen.

Ich hatte schon manche lustige, traurige und tragische Begegnungen mit dementen Personen. Die Betroffenen, sowie deren Verwandten haben sicher ein schweres Los. Aber eben auch die kleinen Engel, die ihnen helfen möchten.

C. ich drück Dich!

 

Blinde Kuh

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Auf einem Gutschein für mich, steht ein Abendessen in der Blinden Kuh in Zürich an. Zunächst bin ich etwas überfordert, da ich mir nichts darunter vorstellen kann. Erstaunlicherweise kennen das Restaurant viele meiner Mitmenschen. Es sei ein Dunkelrestaurant. Den Rest muss man selbst erleben. Für mich bedeutet dies eine Premiere.

Der Eingang erinnert an eine Rezeption eines Hotels. Ein netter Portier bittet uns die Tasche samt Inhalt in die bereitgestellten Spinds zu schliessen. Der Grund ist banal. Erstens ist es mehr als lästig, wenn im Dunkeln etwas verloren geht und zweitens werden so alle Lichtquellen eliminiert. Die Auswahl auf der Menükarte ist übersichtlich, was gut ist, denn man muss sich merken, was später gegessen werden will.

Ab nun ist alles neu. Eine Bedienung namens Elisabeth nimmt uns in Empfang. Sie selbst ist blind und gibt uns Instruktionen, wie wir uns drinnen verhalten sollen, wenn jemand sich unwohl fühlt, oder etwas bestellen möchte.

Die Hànde auf die Schultern des Vordermannes gelegt und los geht es in eine Art abgdunkelte Schleuse, damit man sich etwas an die Dunkelheit gewöhnen kann. Und drei Schritte weiter ist nichts mehr wie vorher.

Dunkelheit und Stimmengewirr dominieren in einer unbekannten Gegend. Nun müssen wir unserer Vorderfrau völlig vertrauen, dass wir unseren Tisch erreichen, ohne den anderen Gästen unterwegs den Tisch abzuräumen. Verbissen versuche ich irgendetwas mit meinen Augen zu erhaschen. Nichts. So eine Dunkelheit habe ich zuvor noch nie erlebt. Normalerweise erkennt man irgendwann Schatten oder Umrisse. Aber nicht hier. Es ist einfach nur finster und laut. Elisabeth führt uns sicher an die Plätze und weiß mit ausgesuchten Worten uns gut zu führen. Endlich kann ich sitzen und habe meine Umgebung schnell ertastet. Ich sitze an einem Rand. Neben mir nur ein Vorhang. Die Hände ganz sachte über den Tisch schiebend finde ich meine Freundin gegenüber. Wir bestellen ein Prosecco und bekommen ihn schon bald geliefert. Die Bedienung streift kurz orientierend an meinem Oberarm und stellt die Gläser ab. Oha. Anstossen ist eine Meisterleistung. Dann höre ich ein österreichische Stimme. Zuerst kann ich es nicht glauben, und doch ist es so. Ein Überraschungsgast für mich wird gerade auf den freien Platz neben uns geführt. Irre. Nur zu schade, dass ich sie weder umarmen noch sehen kann. Ich tätschel ihr aus Versehen vor Freude ins Auge und fege dabei fast das Glas vom Tisch.

Nun wird die Bestellung aufgenommen. Ich bestelle gefüllte Zucchini auf Kichererbsen und sonstigem Gemüse. Mein Spezial-Gast möchte sich ein Kotelett gönnen. Um den Kontakt zum Tisch nicht zu verlieren, hänge ich mit dem Oberkörper fast auf dem Tisch und tratsche mit meinen Freundinnen. Die Augen haben sich noch nicht an die Dunkelheit gewöhnt und suchen unaufhörlich einen Punkt zum Fixieren. Das tut schon fast weh.

Zuerst werden wir von der Küche mit einem kleinen Häppchen bedacht. Zum Glück beschreibt Elisabeth genau, was vor uns steht. Ein gebogener Löffel, der auf einer kleinen Schale liegt,  der zusätzlich Essbares beherbergt. Die Anhaltspunkte sind super. So kann man sich ein innerliches Bild erschaffen und die Hände am Rand gleiten lassen.

„Magst Du ein Brot?“ Es dauert etwas, bis das Brot zu mir findet, denn erst verschätzen wir uns in der Höhe und zudem möchte man die Gläser auch nicht verschütten. Zwischenzeitlich steht auch mein Schorley vor mir, welches ich mir selbst nachschenken muss. Also schnell den Finger ins Glas stecken und einschenken, damit nichts überlaufen kann. Zum Glück sieht mich hier wirklich niemand. Ich schäme mich ein bisschen, denn eine gute Figur mache ich sicher nicht.

Der Hauptgang stellt eine noch grössere Herausforderung dar. Jede zweite Gabel landet leer in meinem Mund. Bis ich endlich die Zucchini aufgepikst bekomme. Dass ich die nicht mehr hergebe ist klar und ich beisse einfach Stück für Stück davon ab. Ob ich die Beilage vollständig aus dem Teller bekommen habe, weiss nur der Abwäscher. Schade, dass ich nicht sehe, was ich esse, denn es schmeckt richtig lecker. Meine Freundin mit dem Kotelett hat sich auch schon für die Fingerfood-Variante entschieden und knabbert genüsslich an ihrem Stück Fleisch. Unsere Bedienung kümmert sich gut um uns und wir kommen auch ins Gespräch. Wir bedanken uns für ihre ausführlichen Beschreibungen und Hilfestellungen und fragen, ob auch sie nur diese Dunkelheit wahrnimmt. Die Antwort stimmt nachdenklich. „Ja“, meinte sie. Sie ist blind und würde sich freuen, wenn auch in der Welt draussen, sich die Menschen etwas mehr Zeit zum Reden nehmen würde. Sie bekommst ihre Bestellung meist ohne Kommentar und so muss sie sich in einer fremden Umgebung immer auf etwas Unbekanntes einlassen. Eine Meisterleistung.

Der Nachtisch, der aus einer Eiskugel besteht, ist schon leichter zu löffeln. Jeder möchte natürlich von den anderen probieren. Bis die Kugeln allerdings die Runde durchlaufen haben, ist fast nur noch eine zerflossene Masse vorhanden. Dabei sind Tauschaktionen schon einfacher, da die grazilen Sektgläser abgeräumt wurden.

Das Reden ist anstrengend. In dem Stimmengewirr die einzelnen Gesprächspartner auszumachen, fordert Konzentration. Zudem irren immer noch wild die Augen hin und her. Auf der Suche nach einem klitzekleinen Licht. Das schmerzt schon richtig. Ich versuche die Augen zu schliessen, aber auch das klappt nicht.

Die unmittelbaren Nachbarn sind bereits wieder losgezogen. Sie hatten sich in dieser Dunkelheit nicht wohlgefühlt. Ja, diese Menschen können es sich aussuchen. Aber Menschen, wie Elisabeth? Wie gerne würde auch sie sagen:“ Führen sie mich bitte wieder ins Licht“.

Irgendwann sind auch wir satt und möchten weiter. Es dauert allerdings, bis sich von uns jemand traut den Namen unserer Bedienung durch den Raum ins Nirgendwo zu rufen. Seltsame Hemmschwelle, aber ohne sie sind wir völlig aufgeschmissen. Sie hört uns und geleitet uns wieder nach draussen. Zuerst passieren wir die Schleuse, um die Augen wieder etwas an das Helle zu gewöhnen. Autsch, tut das weh. Wie gleisend hell es plötzlich ist.

Dann Freude, denn ich kann endlich meine Freundin sehen und umarmen. Ich mustere sie von oben bis unten, denn ich hatte sie schon lange nicht mehr gesehen. Ich kann sehen und ich freu mich um so mehr.

 

Ganz herzlichen Dank an das Team von dem Dunkelrestaurant „Blinden Kuh“ in Zürich. Es ist wirklich eine Erfahrung, die beängstigend, neu und sehr speziell ist. Ich hoffe, dass ich das nächste Mal empathischer und offener auf eine blinde Person zugehe.

Die Qual der Wahl….

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Danach hat man zwar lange Ruhe vor diesen lästigen Härchen und fühlt sich vielleicht etwas windschnittiger…

aber davor:

AUA!!

 

Und dennoch tut es wohl fast jede Frau… störende Häärchen müssen weg. Ob Warmwachs, Kaltwachs, Rasur, Zupfen, Rubbeln, Cremen, Lasern..

Die Kosmetikindustrie verdient sich ein goldenes Näschen an den vielen Produkten, die alle dem gleichen Ziel dienen. Das Optimale gibt es leider noch immer nicht. Jeder muss für sich herausfinden, mit welcher Haarentfernungsmethode man am besten zurecht kommt und mit welchen Nachteilen man auch leben muss.

Warum tut man sich das auch an 😉

 

Menschliche Exponate

Plastinat

Zum zweiten Mal besuche ich eine Ausstellung des Plastinators Gunther von Hagens.. Gerade jetzt, wo ich durch Intensivkurse meine Massagekenntnisse erweitere, finde ich das menschliche Gerüst um so spannender und vertiefe hier mein Wissen. Entdecke neues. Ich muss zugeben, dass ich fasziniert bin.

In meiner Ausbildung war ein Praktika in der Obduktion obligatorisch. Daher ist der Anblick  der inneren Organe für mich nicht schockierend. Und da der Formalingeruch sowie das typisch kühle Stahl-Fliesen-Ambiente wegfällt, kann ich mich voll auf die Anatomie fokussieren. Ich finde es unglaublich spannend, wie diese Ausstellungsstücke so abstrakt drapiert werden, um spezielle Einblicke in den menschlichen Körper zu gewähren. Leicht vergisst man, dass hier ein Verstorbener liegt/steht.

Nur eines darf ich nicht: Das Gesicht inspizieren. Wehe ich entdecke ein Detail wie ein Haar, die Braue…erschaudere ich. Nur nicht den Gedanken freien Lauf lassen. So ähnlich sich der Aufbau der menschlichen Hülle sind, so unterschiedlich und einzigartig ist die Seele.

Für die einen abartig und krank, für die anderen  spannend und lehrreich. Die Werke des Plastinators Gunther von Hagens werden umstritten bleiben. Eine Faszination besteht auf alle Fälle. Die Schlangen vor den Ausstellungshallen beweisen es.

Obwohl bald jeder Milimeter ausgeleuchtet wurde, sind noch so viele Fragen offen. Irgendwie beruhigend das zu wissen, trotz meiner Begeisterung um das Wissen in der Schulmedizin.

Der Mensch ist  ein Mysterium. Gut so..

 

 

körperwelten Körperweltn Gunter von Hagen

 

 

 

 

 

Quelle Beitrags-Bild: image.epd

Trans-Fette

Dicki

Der Supergau! Jeder hat es schon irgendwann gehört:  Es gibt  gesättigte und  ungesättigte Fette.  Aber dass es noch die ganz böse Variante gibt, nämlich die sogenannten Trans-Fette, wissen wenige.

Pflanzenöle sind ungesättigt und befinden sich in einer Cis-Form (ist eine Art des Baus) .  Bei Zimmertemperatur ist das flüssig. Dies ist in der Lebensmittelindustrie gar nicht praktisch. So erfand man ein Verfahren dieses Fett zu härten. Man stopfte einfach mal ein Wasserstoffteilchen dazu und gestalte diese CIS-Form in die sog. TRANS-Formation um. Man sättigte das Öl ab.  Das hatte den Vorteil, dass sämtliche Lebensmittel nicht zerfliessen und die Haltbarkeit verlängerte sich auch  um einiges.

Ebenso können  ungesättigte Pflanzenöle bei zu starker Erhitzung (ab 130Grad) zu Trans-Fetten mutieren. Beim Braten also besser auf Schmalz umsteigen.

Die Lebensmittel mit Trans-Fetten sind:

  • Viele Instantsuppen (da habe ich aber gestaunt)
  • Margarine
  • Fette zum Frittieren

Und damit  finden sie sich  in vielen Backwaren und frittierten Produkte wieder:  einige Kekse / Kuchen/ Chips/ Erdnussbutter/ Pommes/ Blätterteig

Nur:

Der menschliche Körper kann diese Fette ganz schlecht spalten bzw. abbauen. Da hilft der beste Sport nicht. So lagert es sich wunderbar ein und man wird einfach mal DICK! Zudem geht ein höheres Gesundheitsrisiko von diesen Fetten aus. Herzinfarkte, Schlaganfälle und Arteriosklerose können die Folge sein.

Das schlimme finde ich:

In Amerika besteht eine Bezeichnungspflicht. Und zwar müssen die Hersteller in Grossbuchstaben die Information Trans-Fett aufdrucken, wenn es drin ist. In Deutschland  wird nur bei den Ölen eine Maximalmenge an Transfetten vorgeschrieben. Für andere Produkte bestehen keine Grenzwerte. Allerdings muss der Hinweis: gehärtete Fette vermerkt sein. Das Wort Transfett wird man vergeblich suchen.Es lohnt sich also ein Blick auf die Inhaltsstoffe zu werfen.

 

Der Stirnkuss.. bescheuert oder romantisch?

Der irre Blick

Die Stimmung ist gut. Männerhände nehmen mein Gesicht und ziehen den Kopf näher. Und es geschah…unangekündigt und unerwartet. Ein Stirnkuss!  Ich vergesse die Haltungsnote, klappe den Mund auf und gucke wie eine irre Kuh. Was war das denn??

Bilder aus der Vergangenheit ziehen an meinem inneren Auge vorbei. Vater gab mir als Kind einen Stirnkuss. Er wirkte beruhigend. Ich fühlte mich beschützt. Nichts konnte mir passieren. Das ist allerdings schon eine ganze Weile her.

Auch Abschiede, die kein Wiedersehen zulassen werden manchmal mit einem Stirnkuss untermalt.

Ich küsse enge Verwandte oder Freunde auf die Stirn. In schweren oder traurigen Situationen.

Bevor mein entgeisterter Gesichtsausdruck eingemeiselt ist, schwenke ich um. Wie fühlte ich mich denn dabei?

…einfach gut….

 

 

 

Und plötzlich verliert man den Boden unter den Füssen

Bildschirm

Noch berauscht vom wunderbaren Wochenende,  rufe ich meine betagten Eltern an. Dort bekomme ich die Nachricht, dass es einem Mitglied der Familie nicht gut geht. Die Alarmglocken in meinem Kopf schrillen! Das bedeutet nichts Gutes, und die Vorahnung bestätigt sich.

Der Mann, der bisher mit guter Konstitution und Lebensfreude gesegnet war, sich rührend um seine stark eingeschränkt mobile Frau kümmerte und die gesamte Organisation steuerte, muss akut ins Krankenhaus.

Für mich bricht eine Welt zusammen. Was geschieht nun weiter? Die ersten Tage und Nächte darf ich ihn begleiten, was meine Emotionen zum Überschäumen bringt.  Sogar mit Fieber und unter Schmerzen kümmert er sich noch um ein paar Kleinigkeiten und nimmt alles andere einfach hin. Nie hört man ein Jammern oder Stöhnen.

Dabei sehe ich ihm an, wie er leidet. Der Glanz in seinen Augen ist verschwunden und er wirkt fahl und eingefallen. Es tut so weh. Ich verfluche, dass ich im Krankenhaus arbeite und  mit seinem Krankheitsbild vertraut bin. Ich weiss um die Komplikationen und Risiken und möchte es am liebsten ignorieren.

Es tut so verdammt weh, einen Menschen leiden zu sehen, der mich schon das ganze Leben begleitet und fest einen Platz in meinem Herzen hat.

Ein Freund versucht mir zu erklären, dass ich ihm mit Mitleid keine  Hilfe bin und soll auf Mitgefühl umsteigen. Er hat Recht, nur bekomme ich es einfach nicht hin. Dabei muss ich stark sein. Für die Person, die plötzlich alleine dasteht. Aufgrund ihrer Immobilität unfähig  einzukaufen, Geld zu holen oder auch  alleine zu duschen.

Neben der Arbeit muss ich versuchen Unterstützung zu finden. Es ist frustrierend. Die Spitex wird von der Krankenkasse nicht bezahlt. Und da sie sich  die Haare noch selbstständig kämmen  und auch das WC alleine aufsuchen kann, wird sie keiner Pflegestufe zugeordnet. Ich habe eine Riesenwut im Bauch. Auf das System, dem es egal ist, dass sie viel stürzt und nicht alleine aufstehen kann. Dem es egal ist, was sie isst. Der einzige Vorteil von Wut ist, dass sie von der Sorge und Angst ablenkt.

Zum Glück funktioniert die Familie. Auf sie ist Verlass. Zumindest kann sie kurzfristig auffangen. Es wird ein System entwickelt, um etwas Sicherheit gewährleisten zu können. Geschwister, die sehr weit weg wohnen, übernehmen die Telefonate. Besorgungen und Krankenbesuche liegen bei mir.

Ich mache es gerne. Aber es zehrt an der Substanz. Eine Dauerlösung ist es gewiss nicht. Irgendwann muss ein Plan B her.

Bis dahin verlangt die Situation  einiges ab. Der Tag hat definitiv zu wenig Stunden. Emotional und organisatorisch werden Höchstleistungen abgerufen. Von einem Tag auf den anderen…. ich habe etwas Boden unter den Füssen verloren…