Kategorie -Menschen

widersprüchlich: besinnliche Adventszeit im Spital

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Es ist Advent. Eigentlich sind diese 4 Wochen dazu gedacht, um runterzukommen. Etwas Ruhe zu finden, um sich auf Weihnachten vorzubereiten. Kein Trubel, kein Stress.

ABER DAS IST UTOPISCH!

 

Die Menschen drehen vor Weihnachten völlig durch. Das Krankenhaus quillt über.

Das Klientel:  

  1. Die  Kranken und Verletzten
  2. Die Leidenden: Unter dieser Kategorie zu finden sind:  Männerschnupfen,  hohes Fieber von 37.5C. etc.
  3. Die Berechnenden: Das sind Menschen, die teilweise unverschämt und mit Lügen Druck ausüben, um noch alle Untersuchungen/Eingriffe im alten Jahr erledigen zu können. Das macht man, wenn die Jahresfranchis im laufenendem Jahr schon abbezahlt ist und nun die meisten Krankenhauskosten von der Krankenkasse übernommen wird.
  4. Psychisch Kranke: Arme Menschen, denen der Weihnachtstrubel zusätzlich zusetzt und nun mit psychosomatischen Problemen das Krankenhaus aufsuchen.
  5. Notfälle, die als solches deklariert werden, obwohl sie keine sind (z.B. zwickendes Knie seit 8 Monaten), weil der Patient in Urlaub möchte oder der Hausarzt über die Feiertage geschlossen hat. Da kann man natürlich nicht noch 3 Wochen länger warten.
  6. Patienten, die vor Weihnachten entlassen werden möchten und alle Formalitäten und Untersuchungen, sowie Therapien im Sauseschritt dazu benötigen.

Klar, diese sind das ganze Jahr anzutreffen, aber vor allem die Anzahl der Patienten der Kategorie 2-5 steigt  um das Jahresende rapide an.

Die Stimmung ist gestresst und kann nur bedingt durch besinnliche Events aufgefangen werden. Ganz grotesk war heute z.B. die Situation, dass ein Minichor uns eine Freude machen wollte und in der Röntgenabteilung ein Ständchen sang. Doch niemand konnte innehalten und zuhören. In einem Röntgenraum schrie ein Kind, durch den Gang wetzte ein Rea-Team und das Röntgenpersonal schob sich an den Sängern vorbei, um die entnervt wartenden Patienten abzuholen.

Überstunden sind an der Tagesordnung und es fällt schwer den Schalter nach Feierabend auf „Slow-down “ zu stellen.

Die Adventszeit in meiner Kindheit ist geprägt von vielen wundervollen Momenten bei Kerzenschein. Klingt richtig kitschig, ich weiss, aber für mich wertvoll genug, um es jedes Jahr anzustreben. Vielleicht das nächste Jahr. Seufz.

Nun steht Weihnachten vor der Tür . Ich bin optimistisch, dass ich es wenigstens hier schaffe kurz innezuhalten. Ich darf die  Tage mit meinen Lieblingsmenschen verbringen….(weihnachten in der Familie)

Allen Weihnachtsgestressten eine dicke Umarmung.

 

 

 

 

 

Eine Schattenseite für die kleinen Helfern

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Eine Frau, die schon jahrelang für die Sozialstation arbeitet und als Haushaltshilfe fungiert, bricht weinend vor mir zusammen. Aufgerissene Augen gewähren einen kleinen Einblick in Ihre Seele. Sie hat Angst!

Stundenweise wäscht, bügel, putzt sie bei Pflegebedürftigen im Auftrag einer Sozialstation.  Auch viele an Demenz Erkrankten unterstützt sie so in ihrem Alltag.

Und aus dem Nichts heraus, bekommt sie nun einen bitterbösen drohenden Anruf  von einem (erwachsenen) Kind einer dementen Frau, die nun behauptet, dass die Haushaltshilfe diese bestohlen hätte. Die Haushaltshilfe, gut deutsch sprechend, aber mit einem Sprachfehler, ist völlig diesem anklagenden, beschimpfenden Anruf ausgeliefert und weiß nun, dass sie bei der  Polizei angezeigt wurde. Dong. Das sitzt.

Sie wartet nun jeden Tag auf einen Polizeianruf. Zudem plagen sie  Existenzängste und hat keine Ahnung, wie sie die Menschen von ihrer Unschuld überzeugen kann. Mit dieser Situation ist sie absolut überfordert.

Das ist leider die Schattenseite in einem Beruf, in dem man in die Privatsphäre anderer Menschen eindringt/eindringen muss.

Sicher gibt es auch schwarze Schafe, die Bedürftige um Erspartes oder Teures bringen. Geht gar nicht! Aber ich weiss aus eigener Erfahrung, dass es genauso viele (gefühlt viel mehr) unberechtigte Anschuldigungen gibt. Ein Patient warf in der Radiologie einen Gehstock nach mir, da er mich im Visier hatte, dass ich seine neue Zahnprothese eingeheimst hätte..eh klar 😉 . Als nach kurzer Suche seine Beißerchen im kleinen Tresor seiner Umkleidekabine gefunden wurde, war zwar Frieden, aber eine Entschuldigung wurde auch nicht ausgesprochen.

Ich hatte schon manche lustige, traurige und tragische Begegnungen mit dementen Personen. Die Betroffenen, sowie deren Verwandten haben sicher ein schweres Los. Aber eben auch die kleinen Engel, die ihnen helfen möchten.

C. ich drück Dich!

 

Blinde Kuh

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Auf einem Gutschein für mich, steht ein Abendessen in der Blinden Kuh in Zürich an. Zunächst bin ich etwas überfordert, da ich mir nichts darunter vorstellen kann. Erstaunlicherweise kennen das Restaurant viele meiner Mitmenschen. Es sei ein Dunkelrestaurant. Den Rest muss man selbst erleben. Für mich bedeutet dies eine Premiere.

Der Eingang erinnert an eine Rezeption eines Hotels. Ein netter Portier bittet uns die Tasche samt Inhalt in die bereitgestellten Spinds zu schliessen. Der Grund ist banal. Erstens ist es mehr als lästig, wenn im Dunkeln etwas verloren geht und zweitens werden so alle Lichtquellen eliminiert. Die Auswahl auf der Menükarte ist übersichtlich, was gut ist, denn man muss sich merken, was später gegessen werden will.

Ab nun ist alles neu. Eine Bedienung namens Elisabeth nimmt uns in Empfang. Sie selbst ist blind und gibt uns Instruktionen, wie wir uns drinnen verhalten sollen, wenn jemand sich unwohl fühlt, oder etwas bestellen möchte.

Die Hànde auf die Schultern des Vordermannes gelegt und los geht es in eine Art abgdunkelte Schleuse, damit man sich etwas an die Dunkelheit gewöhnen kann. Und drei Schritte weiter ist nichts mehr wie vorher.

Dunkelheit und Stimmengewirr dominieren in einer unbekannten Gegend. Nun müssen wir unserer Vorderfrau völlig vertrauen, dass wir unseren Tisch erreichen, ohne den anderen Gästen unterwegs den Tisch abzuräumen. Verbissen versuche ich irgendetwas mit meinen Augen zu erhaschen. Nichts. So eine Dunkelheit habe ich zuvor noch nie erlebt. Normalerweise erkennt man irgendwann Schatten oder Umrisse. Aber nicht hier. Es ist einfach nur finster und laut. Elisabeth führt uns sicher an die Plätze und weiß mit ausgesuchten Worten uns gut zu führen. Endlich kann ich sitzen und habe meine Umgebung schnell ertastet. Ich sitze an einem Rand. Neben mir nur ein Vorhang. Die Hände ganz sachte über den Tisch schiebend finde ich meine Freundin gegenüber. Wir bestellen ein Prosecco und bekommen ihn schon bald geliefert. Die Bedienung streift kurz orientierend an meinem Oberarm und stellt die Gläser ab. Oha. Anstossen ist eine Meisterleistung. Dann höre ich ein österreichische Stimme. Zuerst kann ich es nicht glauben, und doch ist es so. Ein Überraschungsgast für mich wird gerade auf den freien Platz neben uns geführt. Irre. Nur zu schade, dass ich sie weder umarmen noch sehen kann. Ich tätschel ihr aus Versehen vor Freude ins Auge und fege dabei fast das Glas vom Tisch.

Nun wird die Bestellung aufgenommen. Ich bestelle gefüllte Zucchini auf Kichererbsen und sonstigem Gemüse. Mein Spezial-Gast möchte sich ein Kotelett gönnen. Um den Kontakt zum Tisch nicht zu verlieren, hänge ich mit dem Oberkörper fast auf dem Tisch und tratsche mit meinen Freundinnen. Die Augen haben sich noch nicht an die Dunkelheit gewöhnt und suchen unaufhörlich einen Punkt zum Fixieren. Das tut schon fast weh.

Zuerst werden wir von der Küche mit einem kleinen Häppchen bedacht. Zum Glück beschreibt Elisabeth genau, was vor uns steht. Ein gebogener Löffel, der auf einer kleinen Schale liegt,  der zusätzlich Essbares beherbergt. Die Anhaltspunkte sind super. So kann man sich ein innerliches Bild erschaffen und die Hände am Rand gleiten lassen.

„Magst Du ein Brot?“ Es dauert etwas, bis das Brot zu mir findet, denn erst verschätzen wir uns in der Höhe und zudem möchte man die Gläser auch nicht verschütten. Zwischenzeitlich steht auch mein Schorley vor mir, welches ich mir selbst nachschenken muss. Also schnell den Finger ins Glas stecken und einschenken, damit nichts überlaufen kann. Zum Glück sieht mich hier wirklich niemand. Ich schäme mich ein bisschen, denn eine gute Figur mache ich sicher nicht.

Der Hauptgang stellt eine noch grössere Herausforderung dar. Jede zweite Gabel landet leer in meinem Mund. Bis ich endlich die Zucchini aufgepikst bekomme. Dass ich die nicht mehr hergebe ist klar und ich beisse einfach Stück für Stück davon ab. Ob ich die Beilage vollständig aus dem Teller bekommen habe, weiss nur der Abwäscher. Schade, dass ich nicht sehe, was ich esse, denn es schmeckt richtig lecker. Meine Freundin mit dem Kotelett hat sich auch schon für die Fingerfood-Variante entschieden und knabbert genüsslich an ihrem Stück Fleisch. Unsere Bedienung kümmert sich gut um uns und wir kommen auch ins Gespräch. Wir bedanken uns für ihre ausführlichen Beschreibungen und Hilfestellungen und fragen, ob auch sie nur diese Dunkelheit wahrnimmt. Die Antwort stimmt nachdenklich. „Ja“, meinte sie. Sie ist blind und würde sich freuen, wenn auch in der Welt draussen, sich die Menschen etwas mehr Zeit zum Reden nehmen würde. Sie bekommst ihre Bestellung meist ohne Kommentar und so muss sie sich in einer fremden Umgebung immer auf etwas Unbekanntes einlassen. Eine Meisterleistung.

Der Nachtisch, der aus einer Eiskugel besteht, ist schon leichter zu löffeln. Jeder möchte natürlich von den anderen probieren. Bis die Kugeln allerdings die Runde durchlaufen haben, ist fast nur noch eine zerflossene Masse vorhanden. Dabei sind Tauschaktionen schon einfacher, da die grazilen Sektgläser abgeräumt wurden.

Das Reden ist anstrengend. In dem Stimmengewirr die einzelnen Gesprächspartner auszumachen, fordert Konzentration. Zudem irren immer noch wild die Augen hin und her. Auf der Suche nach einem klitzekleinen Licht. Das schmerzt schon richtig. Ich versuche die Augen zu schliessen, aber auch das klappt nicht.

Die unmittelbaren Nachbarn sind bereits wieder losgezogen. Sie hatten sich in dieser Dunkelheit nicht wohlgefühlt. Ja, diese Menschen können es sich aussuchen. Aber Menschen, wie Elisabeth? Wie gerne würde auch sie sagen:“ Führen sie mich bitte wieder ins Licht“.

Irgendwann sind auch wir satt und möchten weiter. Es dauert allerdings, bis sich von uns jemand traut den Namen unserer Bedienung durch den Raum ins Nirgendwo zu rufen. Seltsame Hemmschwelle, aber ohne sie sind wir völlig aufgeschmissen. Sie hört uns und geleitet uns wieder nach draussen. Zuerst passieren wir die Schleuse, um die Augen wieder etwas an das Helle zu gewöhnen. Autsch, tut das weh. Wie gleisend hell es plötzlich ist.

Dann Freude, denn ich kann endlich meine Freundin sehen und umarmen. Ich mustere sie von oben bis unten, denn ich hatte sie schon lange nicht mehr gesehen. Ich kann sehen und ich freu mich um so mehr.

 

Ganz herzlichen Dank an das Team von dem Dunkelrestaurant „Blinden Kuh“ in Zürich. Es ist wirklich eine Erfahrung, die beängstigend, neu und sehr speziell ist. Ich hoffe, dass ich das nächste Mal empathischer und offener auf eine blinde Person zugehe.

Die Qual der Wahl….

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Danach hat man zwar lange Ruhe vor diesen lästigen Härchen und fühlt sich vielleicht etwas windschnittiger…

aber davor:

AUA!!

 

Und dennoch tut es wohl fast jede Frau… störende Häärchen müssen weg. Ob Warmwachs, Kaltwachs, Rasur, Zupfen, Rubbeln, Cremen, Lasern..

Die Kosmetikindustrie verdient sich ein goldenes Näschen an den vielen Produkten, die alle dem gleichen Ziel dienen. Das Optimale gibt es leider noch immer nicht. Jeder muss für sich herausfinden, mit welcher Haarentfernungsmethode man am besten zurecht kommt und mit welchen Nachteilen man auch leben muss.

Warum tut man sich das auch an 😉

 

Menschliche Exponate

Plastinat

Zum zweiten Mal besuche ich eine Ausstellung des Plastinators Gunther von Hagens.. Gerade jetzt, wo ich durch Intensivkurse meine Massagekenntnisse erweitere, finde ich das menschliche Gerüst um so spannender und vertiefe hier mein Wissen. Entdecke neues. Ich muss zugeben, dass ich fasziniert bin.

In meiner Ausbildung war ein Praktika in der Obduktion obligatorisch. Daher ist der Anblick  der inneren Organe für mich nicht schockierend. Und da der Formalingeruch sowie das typisch kühle Stahl-Fliesen-Ambiente wegfällt, kann ich mich voll auf die Anatomie fokussieren. Ich finde es unglaublich spannend, wie diese Ausstellungsstücke so abstrakt drapiert werden, um spezielle Einblicke in den menschlichen Körper zu gewähren. Leicht vergisst man, dass hier ein Verstorbener liegt/steht.

Nur eines darf ich nicht: Das Gesicht inspizieren. Wehe ich entdecke ein Detail wie ein Haar, die Braue…erschaudere ich. Nur nicht den Gedanken freien Lauf lassen. So ähnlich sich der Aufbau der menschlichen Hülle sind, so unterschiedlich und einzigartig ist die Seele.

Für die einen abartig und krank, für die anderen  spannend und lehrreich. Die Werke des Plastinators Gunther von Hagens werden umstritten bleiben. Eine Faszination besteht auf alle Fälle. Die Schlangen vor den Ausstellungshallen beweisen es.

Obwohl bald jeder Milimeter ausgeleuchtet wurde, sind noch so viele Fragen offen. Irgendwie beruhigend das zu wissen, trotz meiner Begeisterung um das Wissen in der Schulmedizin.

Der Mensch ist  ein Mysterium. Gut so..

 

 

körperwelten Körperweltn Gunter von Hagen

 

 

 

 

 

Quelle Beitrags-Bild: image.epd

Trans-Fette

Dicki

Der Supergau! Jeder hat es schon irgendwann gehört:  Es gibt  gesättigte und  ungesättigte Fette.  Aber dass es noch die ganz böse Variante gibt, nämlich die sogenannten Trans-Fette, wissen wenige.

Pflanzenöle sind ungesättigt und befinden sich in einer Cis-Form (ist eine Art des Baus) .  Bei Zimmertemperatur ist das flüssig. Dies ist in der Lebensmittelindustrie gar nicht praktisch. So erfand man ein Verfahren dieses Fett zu härten. Man stopfte einfach mal ein Wasserstoffteilchen dazu und gestalte diese CIS-Form in die sog. TRANS-Formation um. Man sättigte das Öl ab.  Das hatte den Vorteil, dass sämtliche Lebensmittel nicht zerfliessen und die Haltbarkeit verlängerte sich auch  um einiges.

Ebenso können  ungesättigte Pflanzenöle bei zu starker Erhitzung (ab 130Grad) zu Trans-Fetten mutieren. Beim Braten also besser auf Schmalz umsteigen.

Die Lebensmittel mit Trans-Fetten sind:

  • Viele Instantsuppen (da habe ich aber gestaunt)
  • Margarine
  • Fette zum Frittieren

Und damit  finden sie sich  in vielen Backwaren und frittierten Produkte wieder:  einige Kekse / Kuchen/ Chips/ Erdnussbutter/ Pommes/ Blätterteig

Nur:

Der menschliche Körper kann diese Fette ganz schlecht spalten bzw. abbauen. Da hilft der beste Sport nicht. So lagert es sich wunderbar ein und man wird einfach mal DICK! Zudem geht ein höheres Gesundheitsrisiko von diesen Fetten aus. Herzinfarkte, Schlaganfälle und Arteriosklerose können die Folge sein.

Das schlimme finde ich:

In Amerika besteht eine Bezeichnungspflicht. Und zwar müssen die Hersteller in Grossbuchstaben die Information Trans-Fett aufdrucken, wenn es drin ist. In Deutschland  wird nur bei den Ölen eine Maximalmenge an Transfetten vorgeschrieben. Für andere Produkte bestehen keine Grenzwerte. Allerdings muss der Hinweis: gehärtete Fette vermerkt sein. Das Wort Transfett wird man vergeblich suchen.Es lohnt sich also ein Blick auf die Inhaltsstoffe zu werfen.

 

Der Stirnkuss.. bescheuert oder romantisch?

Der irre Blick

Die Stimmung ist gut. Männerhände nehmen mein Gesicht und ziehen den Kopf näher. Und es geschah…unangekündigt und unerwartet. Ein Stirnkuss!  Ich vergesse die Haltungsnote, klappe den Mund auf und gucke wie eine irre Kuh. Was war das denn??

Bilder aus der Vergangenheit ziehen an meinem inneren Auge vorbei. Vater gab mir als Kind einen Stirnkuss. Er wirkte beruhigend. Ich fühlte mich beschützt. Nichts konnte mir passieren. Das ist allerdings schon eine ganze Weile her.

Auch Abschiede, die kein Wiedersehen zulassen werden manchmal mit einem Stirnkuss untermalt.

Ich küsse enge Verwandte oder Freunde auf die Stirn. In schweren oder traurigen Situationen.

Bevor mein entgeisterter Gesichtsausdruck eingemeiselt ist, schwenke ich um. Wie fühlte ich mich denn dabei?

…einfach gut….

 

 

 

Und plötzlich verliert man den Boden unter den Füssen

Bildschirm

Noch berauscht vom wunderbaren Wochenende,  rufe ich meine betagten Eltern an. Dort bekomme ich die Nachricht, dass es einem Mitglied der Familie nicht gut geht. Die Alarmglocken in meinem Kopf schrillen! Das bedeutet nichts Gutes, und die Vorahnung bestätigt sich.

Der Mann, der bisher mit guter Konstitution und Lebensfreude gesegnet war, sich rührend um seine stark eingeschränkt mobile Frau kümmerte und die gesamte Organisation steuerte, muss akut ins Krankenhaus.

Für mich bricht eine Welt zusammen. Was geschieht nun weiter? Die ersten Tage und Nächte darf ich ihn begleiten, was meine Emotionen zum Überschäumen bringt.  Sogar mit Fieber und unter Schmerzen kümmert er sich noch um ein paar Kleinigkeiten und nimmt alles andere einfach hin. Nie hört man ein Jammern oder Stöhnen.

Dabei sehe ich ihm an, wie er leidet. Der Glanz in seinen Augen ist verschwunden und er wirkt fahl und eingefallen. Es tut so weh. Ich verfluche, dass ich im Krankenhaus arbeite und  mit seinem Krankheitsbild vertraut bin. Ich weiss um die Komplikationen und Risiken und möchte es am liebsten ignorieren.

Es tut so verdammt weh, einen Menschen leiden zu sehen, der mich schon das ganze Leben begleitet und fest einen Platz in meinem Herzen hat.

Ein Freund versucht mir zu erklären, dass ich ihm mit Mitleid keine  Hilfe bin und soll auf Mitgefühl umsteigen. Er hat Recht, nur bekomme ich es einfach nicht hin. Dabei muss ich stark sein. Für die Person, die plötzlich alleine dasteht. Aufgrund ihrer Immobilität unfähig  einzukaufen, Geld zu holen oder auch  alleine zu duschen.

Neben der Arbeit muss ich versuchen Unterstützung zu finden. Es ist frustrierend. Die Spitex wird von der Krankenkasse nicht bezahlt. Und da sie sich  die Haare noch selbstständig kämmen  und auch das WC alleine aufsuchen kann, wird sie keiner Pflegestufe zugeordnet. Ich habe eine Riesenwut im Bauch. Auf das System, dem es egal ist, dass sie viel stürzt und nicht alleine aufstehen kann. Dem es egal ist, was sie isst. Der einzige Vorteil von Wut ist, dass sie von der Sorge und Angst ablenkt.

Zum Glück funktioniert die Familie. Auf sie ist Verlass. Zumindest kann sie kurzfristig auffangen. Es wird ein System entwickelt, um etwas Sicherheit gewährleisten zu können. Geschwister, die sehr weit weg wohnen, übernehmen die Telefonate. Besorgungen und Krankenbesuche liegen bei mir.

Ich mache es gerne. Aber es zehrt an der Substanz. Eine Dauerlösung ist es gewiss nicht. Irgendwann muss ein Plan B her.

Bis dahin verlangt die Situation  einiges ab. Der Tag hat definitiv zu wenig Stunden. Emotional und organisatorisch werden Höchstleistungen abgerufen. Von einem Tag auf den anderen…. ich habe etwas Boden unter den Füssen verloren…

 

 

 

 

Senioren stürmten die Reutemühle

Zoobesuch

 

Trotz aller Beschwerden liessen sich ein paar Senioren darauf ein, mit mir den Haustierhof Reutemühle zu besuchen. Das  Strahlen in ihren Augen verriet mir , dass Sie dabei glücklich waren. Sie mischten sich zügig unter die anderen Besucher. Mit  Begeisterung wurde gestreichelt und gefüttert, was das Zeug hielt. Kindheitserinnerungen wurden wiederbelebt und urkomische Geschichten von Erlebnissen mit Tieren erzählt. Eine neugierige Ziege, die sich zu sehr mit einer Tasche beschäftigte, leitete man sanft mit dem Gehstock in eine andere Richtung. Eifer und motorische Defizite liessen die Damen und Herren teilweise ruppig wirken, wenn sie über Kinder stolperten, um ein Hausschwein zu füttern. Ansonsten verlief jedoch alles gut über die Bühne.

Die Reutemühle bietet ein barrierefreies Gelände mit Sitzmöglichkeiten für zwischendurch. Ausserdem gibt es eine kleine ebenerdige Gaststätte mit behindertengerechtem WC. Also alles da, was den Aufenthalt erleichtert.

Die Zeit verging im Fluge und ich war überrascht, wie ausdauernd meine Senioren sein konnten. Die einzige Person, die schlapp machte, war wohl ich. In Dauerschleife musste ich Schilder vorlesen oder Grossbestellungen von Tierfutter entgegen nehmen. Das schlaucht!

Das Lachen und die ausgelassene Stimmung der Senioren hat die positive Wirkung der Tiere auf Körper und Geist wieder einmal bestätigt.

Jedem zu empfehlen. Für Kinder und Senioren ist diese Art von Entschleunigung eine wertvolle Bereicherung.

Einfach mal hingehen!

 

 

 

Klassische Massage

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Wer kennt das nicht: Stress, einseitige Bewegungen, Bewegungsmangel führen auf Dauer zu physischen und psychischen Problemen. Wer dann in den Genuss einer Massage kommt,  genießt sie in vollen Zügen. Zwischen 20-90 min darf man schnurren und sich der Wärme und den wohltuenden Berührungen hingeben.

Obwohl die Wirkungen einer Massage auf den Menschen bekannt sind, werden Massagen immer seltener verschrieben und bezahlt. Die Alternative selbst zu zahlen, scheitert meist am Geldbeutel. Daher verwundert es nicht, dass meine Verwandte, Freunde und Arbeitskollegen sofort inne halten, wenn meine Hand nur die kleinste Andeutung einer Massage ankündigt. Dabei bin ich nur Hobby-Muskel-Drückerin und bin nicht sehr kreativ in meinen Griffen.

So beschloss ich, mich mehr mit der klassischen Massage  zu beschäftigen. Sie ist die älteste Massageart und ich kann sie gut mit meiner klinischen Ausbildung vereinbaren. Sie gehört zu den direkten Massagen. In Deutschland dürfen nur Masseure, Physiotherapeuten und Heilpraktiker diese Massage anbieten und einen Körperteil „behandeln“. Allerdings ist die klassische Massage kein geschützter Begriff, so dass man diese Massage in vielen Spas, Hotels und anderen Einrichtungen erhalten kann. Allerdings ist es hier ein Tabu, eine Diagnose zu stellen oder das Wort Therapie in den Mund zu nehmen. Verständlicherweise, denn der Körper ist nun mal sehr komplex und es gibt einiges zu beachten. Aber wer hat schon was gegen eine Wellness-Massage einzuwenden?

So meldete ich mich also mutig bei einem 2-Tages-Seminar an, um Grifftechniken zu lernen. Berührungsängste kenne ich nicht, dennoch war mir etwas mulmig zumute.

Die Vorstellungsrunde der Teilnehmer war spannend: 14 Menschen, die unterschiedlicher nicht sein können: Von Hausfrauen bis zum IT-ler, über Esoteriker und Hobbymasseure…alles dabei. Da ein gemeinsames Ziel bekanntlich verbindet, war die Atmosphäre schnell entspannter und die Gruppen bildeten sich ebenso unkompliziert.

Nach einer kurzen und informativen Stunde über Rechte, Indikationen und Komplikationen… ging es sofort an den Mann bzw. die Frau. Jetzt wurde es anstrengend. Unter Aufsicht wurde massiert, erklärt, massiert, Haltung korrigiert, massiert und nochmals massiert. Nach zwei Tagen kneten, walken, streichen und reiben, sind einige Grundgriffe gelernt und an verschiedenen Personen getestet. Die Ganzkörpermassage, die jedoch jeder am Ende des Kurses selbst bekam, entlohnte für die Mühe davor.

Nun heißt es verinnerlichen und viel üben. Der Wille ist da, nur die Zeit ist etwas knapp. Eine Massageliege ist bereits gekauft und steht mitten im Büro, was nicht besonders dekorativ ist, aber nicht anders regelbar ist. Freiwillige finden sich- oh Wunder- ohne Probleme.

Noch bin ich selbst angespannt, aber ich freue mich auf die Zeit, wenn ich beim Massieren selbst  zur Ruhe komme. Eine gute Ergänzung zu meinem restlichen Leben. Es ist schön zu sehen, wenn alte Menschen  allein durch die Berührungen mehr Lebensenergie bekommen, oder das Kopfweh einer Freundin verschwindet…..

Das einzige Problem dabei: Ich werde wohl weiterhin das Auffüllen meines Energiespeicher durch Massage bezahlen und planen müssen. Schniff. Oder gibt es Freiwillige? Dann gerne eine Mail an mich 😉