Kategorie -Menschen

Wenn die Finger nicht mehr folgen..

Erst als ich die Finger der alten Dame beobachtete, die sich mühsam auf der Tastatur zurechtfinden möchten, bekam ich eine kleine Vorstellung dessen, wie stark ihr Alltag eingeschränkt ist. Ihre Finger sind von Arthrose gezeichnet und verformen die ehemals schönen Finger . Zudem schmerzen die dicke Gelenke und lassen jede Bewegung zur Tortur werden.

Die Tasten am Telefon oder auf der Fernbedienung,  die filigrane Kaffeetasse,  eine Schere, ein Stift… mit vielen Alltagsgegenständen wird ein Kampf ausgetragen. Das Garn durch das Nadelöhr zu schieben ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Als ehemals begnadete Handarbeiterin ist das ein schwerer Schlag für sie.

Und trotzdem muss man sich mit dieser Situation arrangieren. Not macht bekanntlich  erfinderisch und manche Kompromisse müssen eingegangen werden:

  • So bekommt das Besteck einen Schaumstoffring drübergezogen, damit die Gelenke nicht so hart aneinander reiben.
  • Ein Telefon mit Riesentasten wird angeschafft.
  • Die Gäste müssen sich mit Riesenhenkeltassen zufrieden geben (die anderen Tassen überleben sowieso  nie lange)
  • usw…

 

Es macht mich traurig dies zu sehen. Aber  eines ist mir bewusst: Ich freue mich über meine gesunden Hände und bin einfach nur dankbar. Dass es Wurstfinger sind, ist absolute Nebensache.

 

 

 

Bücherbaum

Ich lese gerne. Damit ich bei den Umzügen nicht mehr die schweren Kisten schleppen muss, bin ich die letzten Jahre dazu übergegangen, mir den Lesestoff in Papierform aus der Bücherei zu holen. Hingehen-schmökern-ausleihen-lesen-zurückbringen.

In entfernten Städten ist dies jedoch nicht wirklich möglich. Und wenn man dann noch das ebook (für mich nur eine praktische Alternative zum Buch) vergisst, ist das nervig.

Um so genialer finde ich die Idee eines Bücherbaumes. Hier kann sich jeder kostenfrei ein Buch holen, lesen und dann entscheiden, was er macht. Behalten oder zurückbringen.

Warum nicht die Bücher, die zu Hause als Staubfänger dienen, einfach einpacken und einstellen?  Die Nächsten freut`s, wenn neues Material im Bücherbaum steht.

gesehen in Ostrach

 

Schlamm-Spass-Bewegung- die Muddy Angels

Im April wurde mein Alptraum wahr. Meine Freundin schenkte mir zum Geburtstag eine offizielle  Frauen- Joggingrunde. Offiziell bedeutet hier, dass sie mich zu einem Rennen angemeldet hat. Ich, die sich nur hin und wieder für ein gewisses Ziel (z.B. Projekt Fernwandern oder Bikinifigur) aufrafft und abends in der Dunkelheit einige Runden vor sich hinschlürft.

Panisch päpple ich meine Kondition die folgenden zwei Monate auf, damit ich auf  den angesagten 5 km nicht ganz zusammenbreche. Zudem sind auf dieser Strecke zusätzlich 11 Stationen aufgebaut, die zu bewältigen sind. Also lebe ich ganz nach dem Vorsatz: Vorbereitung ist alles.

Und dann ist es soweit! Ca.5000 Frauen, die an einem Tag gestaffelt in Gruppen loslaufen. Eine organisatorische Meisterleistung! Alles läuft reibungslos. Die Ausrichter des Muddy Angel Runs sind geübt und gehen professionell an die Sache ran.

Nun sind wir dran! Und die Stimmung wechselt von angespannt zu gelassen. Der Beginn eines völlig entspannten und lustigen Tages.

Nach dem Aufwärmen unter der Fuchtel einer nicht müde zu kriegenden Fitness-Front-Frau geht es los. Und zwar ganz gemütlich. Jede Frau läuft ihr Tempo. In Gruppen oder alleine. Jetzt erst merke ich, dass es nicht um eine sportliche Höchstleistung geht, sondern um Spass und einen guten Zweck. Vor den Stationen staut es sich meist etwas, aber so kann man auch gleich ein Schwätzchen mit Mitstreiterinnen halten.

Ich bin mächtig stolz. Mein Training hat sich gelohnt und wir düsen ohne grosse Anstrengung durch. Und das sogar mit quietschenden matschdurchtränkten Turnschuhe, Matsch zwischen den Zähnen und völlig durchnässter Bekleidung. Die Stationen haben es in sich: Hier abtauchen, dort durchkriechen und hier drüber klettern. Alles dabei. Zum Abschluss müssen alle Teilnehmer  durch ein Schaumbad. Jetzt ist es endgültig aus mit der Frisur!

Meine Freundin und ich klatschen uns ab. Geschafft! Nächstes Jahr sind wir definitiv wieder dabei!

Muddy Angel Run unterstützt mit einem Anteil der Startgelder Initiativen zur Aufklärung gegen Brustkrebs. Entsprechend ist pink die dominierende Farbe bei diesem Event. Zumindest zu Beginn….

Zum Abduschen stehen kalte Schlauchduschen zur Verfügung. Erfrischend! Das einzige, was mich nachdenklich stimmt, ist  dieser Müllberg danach. Sämtliche Frauen entsorgen ihre Kleidung vor Ort. Ich habe noch nie soviel Schuhe auf einem Haufen gesehen. Schade.

 

Ansonsten ein sehr gelungenes Projekt. Ich kann es nur weiter empfehlen!

 

 

 

Mottofasten

…hört sich für mich umsetzbar an. Bisher sah ich keine Notwendigkeit dies zu tun, aber als man(n) mich fragte, ob ich nicht auch in der Fastenzeit „Verzicht“üben möchte, nickte ich motiviert zu. Ehrlicherweise eher aus der Hoffnung heraus, dass ich meinen Wohlfühlwinterspeck etwas reduzieren kann, da sich dieser die letzten Monate  auffällig hartnäckig um die Hüften klammert und Hosen zum explodieren bringt.

Ausserdem schadet es nicht, wenn dieser täglicher Überfluss an Leckereien und Komfort ins Bewusstsein tritt. Ich möchte innehalten und reduzieren, damit ich  dankbar für das bin, was für mich schon eine Selbstverständlichkeit darstellt. Warum nicht.

Damit diese 6 Wochen nicht von Beginn an zum Scheitern verurteilt sind, entscheide ich mich für Fasten in Häppchen.  Jede Woche wähle ich einen zusätzlichen Verzicht zu meinem Hauptthema, der Süssigkeitenabstinenz.

Und so sieht mein Plan aus:

  • 6 Wochen keine Süssigkeiten (Kuchen/ Schokolade / Kekse etc., also alles, was mich seit November 2016 täglich begleitet und zu einem Suchtverhalten geführt hat. )
  • 5 Wochen kein Alkohol
  • 4 Wochen : keine Kohlenhydrate. Dazu zählt für mich: Brot/Nudeln/Reis/Müsli ….Arrgh. Das wird hart.( Bei anderen Inhaltsstoffen, die auch zu den Kohlenhydrate zählen, bin ich strikt zu faul, diese akribisch zu enttarnen)
  • 3 Wochen: keine Fleisch- und Wurstwaren
  • 2 Wochen: keinen  Kaffee ( Mist. Mein Laster schlechthin. Das gibt Entzugskopfweh!
  • 1 Woche: Das Mobiltelefon wird ausgeschaltet. Nur Anrufe über Festnetz sind angesagt. / Kein Warmwasser für die Körperpflege.

 

Ich bin gespannt, ob ich durchhalten werde und wie es sich anfühlt. Oder drehe ich dann völlig durch? Mal schauen.

In guten und in schlechten Tagen…

Bei einem Besuch im Krankenhaus stupst mich mein Freund an und nickt in Richtung meiner Liebsten…“Schau mal…so will ich auch alt werden…sie kümmern sich gegenseitig…sie lieben sich…“

Ich verstumme und beobachte. Da sitzen beide, gekennzeichnet durch Alter und Krankheit und strahlen  in dieser Zerbrechlichkeit Wärme aus. Es gab soeben Mittagessen für den Patient. Dieser eine  Teller  wird nun aufgeteilt und sie helfen sich gegenseitig beim Essen. Liebe-und respektvoll ist der Umgang.

 

Meist sind es Krankheiten, die das Leben extrem einschränken. Der Alltag wird zur Herausforderung und als Verwandte überlegt man sich, wie es weitergehen soll. Können sie sich noch selbstständig versorgen? Oder ist die Unfallgefahr doch zu gross? Oder bahnt sich sogar Verwahrlosung/Verschuldung an? Oder, oder, oder..

Plötzlich muss man Entscheidungen treffen. Die Vernunft stimmt für die diversen Möglichkeiten wie betreutes Wohnen, Kurzzeitpflege, Dauerpflege, Altersheim. Man krempelt die Ärmel hoch und beginnt zu organisieren. Tja, aber die Rechnung geht nicht auf. Die Hilfebedürftigen klammern sich an Gewohntes und wehren sich wehement gegen diese Planung. Sich im Alter an eine neue Umgebung gewöhnen? Neue Menschen kennenlernen, mit denen sie sich eventuell nicht verstehen werden? Sich auf eine Struktur einlassen, die nicht von ihnen selbst vorgegeben wird? Es wird gebockt….vordergründig…aber tief im Innern?

Warum habe ich nicht für einen kurzen Moment innegehalten und die Menschen beobachtet, die diese einschneidenden Veränderungen schliesslich betreffen?  Sie haben Angst. Spüren, dass sie sich nahe am letzten Lebensabschnitt befinden und dass ihnen die Selbstständigkeit entgleitet.

Allen Widrigkeiten zum Trotz zeigen sich Momente der Lebensfreude und Lebenskraft. Das ist dermassen eindrucksvoll, dass ich nur da sitzen und staunen kann.

Was soll man machen, wenn es zwei Menschen betrifft, die unterschiedliche Hilfe benötigen und auch dementsprechend verschieden von den Versicherungen/Krankenkassen eingestuft/unterstützt werden? Menschen trennen, die schon ein halbes Jahrhundert zusammen ihren Weg gemeistert haben? Das kann nicht die Lösung sein. Typisch Sesselpupser!

 

Tief durchatmen und nochmals in Ruhe alles durchgehen. Vielleicht gibt es doch umsetzbare Alternativen, damit Menschen so leben dürfen, wie sie es sich wünschen. Es bieten sich ambulante Hilfen/Tagespflege/externe Vollzeitbetreuer an.

Für meine Liebsten ist klar: Auch wenn es mühsam sein wird, wird ihr Weg gemeinsam weitergegangen. Schliesslich haben sie sich vor über 60 Jahren das Versprechen gegeben: “ In guten wie in schlechten Tagen..“

 

Der Mistelzweig…

Als kräftige Unterstützung zu Weihnachten, dem Fest der Liebe, bekam ich einen wunderschönen Mistelzweig geschenkt.  Zuerst hing er zur Freude meiner Nachbarn im Treppenhaushaus, die sich ganz dem Brauch nach unter dem Zweig küssten. Da ich hier eindeutig zu kurz kam, bekam er nun einen festen Platz an der Eingangstür. MEINER Eingangstür. Und ich muss sagen, ich bin begeistert. Er sieht nicht nur toll aus, sondern erinnert immer wieder daran, dass da ruhig etwas mehr geküsst werden darf. Also wollte ich diesen Halbparasit zum Ganzjahresgewächs an meiner Tür erklären. Es irritierte mich allerdings, dass man diesem Zweig nur zu Weihnachten grössere Beachtung schenkt. Die Recherchen im Internet bei Brauchwiki sind spannend: lies mich doch mal.

Schade, dass dieser Brauch tatsächlich nur bis zum 06.01. ausgeführt werden kann. Nun denn: Immerhin hat mein Mistelzweig ganz viele Beeren hängen. Ein guter Start ins neue Jahr!

 

 

widersprüchlich: besinnliche Adventszeit im Spital

Es ist Advent. Eigentlich sind diese 4 Wochen dazu gedacht, um runterzukommen. Etwas Ruhe zu finden, um sich auf Weihnachten vorzubereiten. Kein Trubel, kein Stress.

ABER DAS IST UTOPISCH!

 

Die Menschen drehen vor Weihnachten völlig durch. Das Krankenhaus quillt über.

Das Klientel:  

  1. Die  Kranken und Verletzten
  2. Die Leidenden: Unter dieser Kategorie zu finden sind:  Männerschnupfen,  hohes Fieber von 37.5C. etc.
  3. Die Berechnenden: Das sind Menschen, die teilweise unverschämt und mit Lügen Druck ausüben, um noch alle Untersuchungen/Eingriffe im alten Jahr erledigen zu können. Das macht man, wenn die Jahresfranchis im laufenendem Jahr schon abbezahlt ist und nun die meisten Krankenhauskosten von der Krankenkasse übernommen wird.
  4. Psychisch Kranke: Arme Menschen, denen der Weihnachtstrubel zusätzlich zusetzt und nun mit psychosomatischen Problemen das Krankenhaus aufsuchen.
  5. Notfälle, die als solches deklariert werden, obwohl sie keine sind (z.B. zwickendes Knie seit 8 Monaten), weil der Patient in Urlaub möchte oder der Hausarzt über die Feiertage geschlossen hat. Da kann man natürlich nicht noch 3 Wochen länger warten.
  6. Patienten, die vor Weihnachten entlassen werden möchten und alle Formalitäten und Untersuchungen, sowie Therapien im Sauseschritt dazu benötigen.

Klar, diese sind das ganze Jahr anzutreffen, aber vor allem die Anzahl der Patienten der Kategorie 2-5 steigt  um das Jahresende rapide an.

Die Stimmung ist gestresst und kann nur bedingt durch besinnliche Events aufgefangen werden. Ganz grotesk war heute z.B. die Situation, dass ein Minichor uns eine Freude machen wollte und in der Röntgenabteilung ein Ständchen sang. Doch niemand konnte innehalten und zuhören. In einem Röntgenraum schrie ein Kind, durch den Gang wetzte ein Rea-Team und das Röntgenpersonal schob sich an den Sängern vorbei, um die entnervt wartenden Patienten abzuholen.

Überstunden sind an der Tagesordnung und es fällt schwer den Schalter nach Feierabend auf „Slow-down “ zu stellen.

Die Adventszeit in meiner Kindheit ist geprägt von vielen wundervollen Momenten bei Kerzenschein. Klingt richtig kitschig, ich weiss, aber für mich wertvoll genug, um es jedes Jahr anzustreben. Vielleicht das nächste Jahr. Seufz.

Nun steht Weihnachten vor der Tür . Ich bin optimistisch, dass ich es wenigstens hier schaffe kurz innezuhalten. Ich darf die  Tage mit meinen Lieblingsmenschen verbringen….(weihnachten in der Familie)

Allen Weihnachtsgestressten eine dicke Umarmung.

 

 

 

 

 

Eine Schattenseite für die kleinen Helfern

Eine Frau, die schon jahrelang für die Sozialstation arbeitet und als Haushaltshilfe fungiert, bricht weinend vor mir zusammen. Aufgerissene Augen gewähren einen kleinen Einblick in Ihre Seele. Sie hat Angst!

Stundenweise wäscht, bügel, putzt sie bei Pflegebedürftigen im Auftrag einer Sozialstation.  Auch viele an Demenz Erkrankten unterstützt sie so in ihrem Alltag.

Und aus dem Nichts heraus, bekommt sie nun einen bitterbösen drohenden Anruf  von einem (erwachsenen) Kind einer dementen Frau, die nun behauptet, dass die Haushaltshilfe diese bestohlen hätte. Die Haushaltshilfe, gut deutsch sprechend, aber mit einem Sprachfehler, ist völlig diesem anklagenden, beschimpfenden Anruf ausgeliefert und weiß nun, dass sie bei der  Polizei angezeigt wurde. Dong. Das sitzt.

Sie wartet nun jeden Tag auf einen Polizeianruf. Zudem plagen sie  Existenzängste und hat keine Ahnung, wie sie die Menschen von ihrer Unschuld überzeugen kann. Mit dieser Situation ist sie absolut überfordert.

Das ist leider die Schattenseite in einem Beruf, in dem man in die Privatsphäre anderer Menschen eindringt/eindringen muss.

Sicher gibt es auch schwarze Schafe, die Bedürftige um Erspartes oder Teures bringen. Geht gar nicht! Aber ich weiss aus eigener Erfahrung, dass es genauso viele (gefühlt viel mehr) unberechtigte Anschuldigungen gibt. Ein Patient warf in der Radiologie einen Gehstock nach mir, da er mich im Visier hatte, dass ich seine neue Zahnprothese eingeheimst hätte..eh klar 😉 . Als nach kurzer Suche seine Beißerchen im kleinen Tresor seiner Umkleidekabine gefunden wurde, war zwar Frieden, aber eine Entschuldigung wurde auch nicht ausgesprochen.

Ich hatte schon manche lustige, traurige und tragische Begegnungen mit dementen Personen. Die Betroffenen, sowie deren Verwandten haben sicher ein schweres Los. Aber eben auch die kleinen Engel, die ihnen helfen möchten.

C. ich drück Dich!

 

Blinde Kuh

Auf einem Gutschein für mich, steht ein Abendessen in der Blinden Kuh in Zürich an. Zunächst bin ich etwas überfordert, da ich mir nichts darunter vorstellen kann. Erstaunlicherweise kennen das Restaurant viele meiner Mitmenschen. Es sei ein Dunkelrestaurant. Den Rest muss man selbst erleben. Für mich bedeutet dies eine Premiere.

Der Eingang erinnert an eine Rezeption eines Hotels. Ein netter Portier bittet uns die Tasche samt Inhalt in die bereitgestellten Spinds zu schliessen. Der Grund ist banal. Erstens ist es mehr als lästig, wenn im Dunkeln etwas verloren geht und zweitens werden so alle Lichtquellen eliminiert. Die Auswahl auf der Menükarte ist übersichtlich, was gut ist, denn man muss sich merken, was später gegessen werden will.

Ab nun ist alles neu. Eine Bedienung namens Elisabeth nimmt uns in Empfang. Sie selbst ist blind und gibt uns Instruktionen, wie wir uns drinnen verhalten sollen, wenn jemand sich unwohl fühlt, oder etwas bestellen möchte.

Die Hànde auf die Schultern des Vordermannes gelegt und los geht es in eine Art abgdunkelte Schleuse, damit man sich etwas an die Dunkelheit gewöhnen kann. Und drei Schritte weiter ist nichts mehr wie vorher.

Dunkelheit und Stimmengewirr dominieren in einer unbekannten Gegend. Nun müssen wir unserer Vorderfrau völlig vertrauen, dass wir unseren Tisch erreichen, ohne den anderen Gästen unterwegs den Tisch abzuräumen. Verbissen versuche ich irgendetwas mit meinen Augen zu erhaschen. Nichts. So eine Dunkelheit habe ich zuvor noch nie erlebt. Normalerweise erkennt man irgendwann Schatten oder Umrisse. Aber nicht hier. Es ist einfach nur finster und laut. Elisabeth führt uns sicher an die Plätze und weiß mit ausgesuchten Worten uns gut zu führen. Endlich kann ich sitzen und habe meine Umgebung schnell ertastet. Ich sitze an einem Rand. Neben mir nur ein Vorhang. Die Hände ganz sachte über den Tisch schiebend finde ich meine Freundin gegenüber. Wir bestellen ein Prosecco und bekommen ihn schon bald geliefert. Die Bedienung streift kurz orientierend an meinem Oberarm und stellt die Gläser ab. Oha. Anstossen ist eine Meisterleistung. Dann höre ich ein österreichische Stimme. Zuerst kann ich es nicht glauben, und doch ist es so. Ein Überraschungsgast für mich wird gerade auf den freien Platz neben uns geführt. Irre. Nur zu schade, dass ich sie weder umarmen noch sehen kann. Ich tätschel ihr aus Versehen vor Freude ins Auge und fege dabei fast das Glas vom Tisch.

Nun wird die Bestellung aufgenommen. Ich bestelle gefüllte Zucchini auf Kichererbsen und sonstigem Gemüse. Mein Spezial-Gast möchte sich ein Kotelett gönnen. Um den Kontakt zum Tisch nicht zu verlieren, hänge ich mit dem Oberkörper fast auf dem Tisch und tratsche mit meinen Freundinnen. Die Augen haben sich noch nicht an die Dunkelheit gewöhnt und suchen unaufhörlich einen Punkt zum Fixieren. Das tut schon fast weh.

Zuerst werden wir von der Küche mit einem kleinen Häppchen bedacht. Zum Glück beschreibt Elisabeth genau, was vor uns steht. Ein gebogener Löffel, der auf einer kleinen Schale liegt,  der zusätzlich Essbares beherbergt. Die Anhaltspunkte sind super. So kann man sich ein innerliches Bild erschaffen und die Hände am Rand gleiten lassen.

„Magst Du ein Brot?“ Es dauert etwas, bis das Brot zu mir findet, denn erst verschätzen wir uns in der Höhe und zudem möchte man die Gläser auch nicht verschütten. Zwischenzeitlich steht auch mein Schorley vor mir, welches ich mir selbst nachschenken muss. Also schnell den Finger ins Glas stecken und einschenken, damit nichts überlaufen kann. Zum Glück sieht mich hier wirklich niemand. Ich schäme mich ein bisschen, denn eine gute Figur mache ich sicher nicht.

Der Hauptgang stellt eine noch grössere Herausforderung dar. Jede zweite Gabel landet leer in meinem Mund. Bis ich endlich die Zucchini aufgepikst bekomme. Dass ich die nicht mehr hergebe ist klar und ich beisse einfach Stück für Stück davon ab. Ob ich die Beilage vollständig aus dem Teller bekommen habe, weiss nur der Abwäscher. Schade, dass ich nicht sehe, was ich esse, denn es schmeckt richtig lecker. Meine Freundin mit dem Kotelett hat sich auch schon für die Fingerfood-Variante entschieden und knabbert genüsslich an ihrem Stück Fleisch. Unsere Bedienung kümmert sich gut um uns und wir kommen auch ins Gespräch. Wir bedanken uns für ihre ausführlichen Beschreibungen und Hilfestellungen und fragen, ob auch sie nur diese Dunkelheit wahrnimmt. Die Antwort stimmt nachdenklich. „Ja“, meinte sie. Sie ist blind und würde sich freuen, wenn auch in der Welt draussen, sich die Menschen etwas mehr Zeit zum Reden nehmen würde. Sie bekommst ihre Bestellung meist ohne Kommentar und so muss sie sich in einer fremden Umgebung immer auf etwas Unbekanntes einlassen. Eine Meisterleistung.

Der Nachtisch, der aus einer Eiskugel besteht, ist schon leichter zu löffeln. Jeder möchte natürlich von den anderen probieren. Bis die Kugeln allerdings die Runde durchlaufen haben, ist fast nur noch eine zerflossene Masse vorhanden. Dabei sind Tauschaktionen schon einfacher, da die grazilen Sektgläser abgeräumt wurden.

Das Reden ist anstrengend. In dem Stimmengewirr die einzelnen Gesprächspartner auszumachen, fordert Konzentration. Zudem irren immer noch wild die Augen hin und her. Auf der Suche nach einem klitzekleinen Licht. Das schmerzt schon richtig. Ich versuche die Augen zu schliessen, aber auch das klappt nicht.

Die unmittelbaren Nachbarn sind bereits wieder losgezogen. Sie hatten sich in dieser Dunkelheit nicht wohlgefühlt. Ja, diese Menschen können es sich aussuchen. Aber Menschen, wie Elisabeth? Wie gerne würde auch sie sagen:“ Führen sie mich bitte wieder ins Licht“.

Irgendwann sind auch wir satt und möchten weiter. Es dauert allerdings, bis sich von uns jemand traut den Namen unserer Bedienung durch den Raum ins Nirgendwo zu rufen. Seltsame Hemmschwelle, aber ohne sie sind wir völlig aufgeschmissen. Sie hört uns und geleitet uns wieder nach draussen. Zuerst passieren wir die Schleuse, um die Augen wieder etwas an das Helle zu gewöhnen. Autsch, tut das weh. Wie gleisend hell es plötzlich ist.

Dann Freude, denn ich kann endlich meine Freundin sehen und umarmen. Ich mustere sie von oben bis unten, denn ich hatte sie schon lange nicht mehr gesehen. Ich kann sehen und ich freu mich um so mehr.

 

Ganz herzlichen Dank an das Team von dem Dunkelrestaurant „Blinden Kuh“ in Zürich. Es ist wirklich eine Erfahrung, die beängstigend, neu und sehr speziell ist. Ich hoffe, dass ich das nächste Mal empathischer und offener auf eine blinde Person zugehe.

Die Qual der Wahl….

Danach hat man zwar lange Ruhe vor diesen lästigen Härchen und fühlt sich vielleicht etwas windschnittiger…

aber davor:

AUA!!

 

Und dennoch tut es wohl fast jede Frau… störende Häärchen müssen weg. Ob Warmwachs, Kaltwachs, Rasur, Zupfen, Rubbeln, Cremen, Lasern..

Die Kosmetikindustrie verdient sich ein goldenes Näschen an den vielen Produkten, die alle dem gleichen Ziel dienen. Das Optimale gibt es leider noch immer nicht. Jeder muss für sich herausfinden, mit welcher Haarentfernungsmethode man am besten zurecht kommt und mit welchen Nachteilen man auch leben muss.

Warum tut man sich das auch an 😉