Kategorie -Senioren

Barfussweg im Appenzellerland

Im Appenzellerland kann man wunderschöne Wanderungen unternehmen. Am Kronberg gibt es diverse Möglichkeiten.

Hier  eine sehr leichte Wanderung, die für Familien und auch Senioren geeignet ist. Gute Laune ist garantiert, denn die 5 km lange Wanderung bietet reichlich Abwechslung. Kies, Matsch, Wiese und  Weide massieren die Füsse in unterschiedlicher Weise. Nichts muss, alles kann.  Mein 84jähriger Begleiter hat nur an einer Stelle die Schuhe wieder angezogen. Und die knietiefe Schlammwaterei hat er ebenfalls ausgelassen. Aber den Rest hat er mit einem strahlendem Gesicht durchwandert.

Die Route ist sehr gut ausgeschildert und hat fast keine Steigungen oder Gefälle. Möglichkeiten zur Rast gibt es massig. Also nur nicht das Picknick vergessen!  Die Wanderung kann man von beiden Endpunkten  in Angriff nehmen. An  Start- und Ende gibt es Fussduschen.

Die Dörfer Jakobsbad und Gontenbad sind mit der Appenzeller-Bahn sehr gut zu erreichen. Und wem die Puste schon nach der halben Strecke ausgeht, kann auch in Gonten wieder in den Zug steigen.

Diese tolle Wanderung kann ich jedem empfehlen. Ein schöner Morgen oder Nachmittag ist garantiert.Wer die Strecke bei Sonnenschein geht, sollte Mütze , Sonnenbrille und Sonnencreme nicht vergessen!

 

Seniorenwanderweg Arlen-Herrentisch-Stein am Rhein

Der beginnende Frühling belebt auch  die Lebensgeister der älteren Generation. Auch sie zieht es raus in die Natur. Aber wohin nur, um doch nicht zu überfordern? Mein netter Ü80 – Mann, lässt nicht locker und möchte mit mir eine kleine Tour unternehmen.

“ Wenn es nicht mehr geht, dann dreh`ich halt um. “ Das war die Antwort auf meine Bedenken, ob er es denn körperlich schafft, da er  nicht mehr der sicherste auf den Beinen ist und mit Wackeldackeleinlagen überraschen kann. Also gut. Die Zivilisation ist nicht fern und ein Handy eingepackt.  Noch schnell den Pass eingepackt( der zwar abgelaufen ist, aber einen alten Herrn werden die schon nicht ins Gefängnis stecken) und los, schliesslich sind 150 Höhenmeter zu erklimmen.

Diese Tour ist bei trockenen Verhältnissen gut für Senioren geeignet, wenn sie mit festen Schuhen einigermassen trittsicher sind.

Start: In Arlen (bei Rielasingen) am Schienerberg. Dort gibt es auch einen Waldparkplatz. N47.708587°E8.852016°

Ein breiter, leicht ansteigender Waldweg führt auf den Schienerberg. Gläubige Katholiken können  zwischendurch innehalten, denn es gibt hin und wieder kirchliche Requisiten.

 

Das letzte Stück auf den höchsten Punkt ist der schwierigste Teil der gesamten Tour. Ein sehr schmaler Serpetinenweg schlängelt sich die letzten Meter auf den Herrentisch. Ich war wohl nervöser als dieser Herr, der sich mit seinen Stöcken hoch schob.  Auf dem Herrentisch kann man schon das erste Würstchen am Grillplatz bruzzeln. Ein herrlicher Blick über die Vulkanberge des Hegaus gibt es obendrein.

An alten Grenzsteinen entlang ist das nächste Ziel Riedern. Hinter  Oberwald (auch hier ein kleines Gasthaus) überschreiten wir beim ehemaligen Erholungsheim Waldheim wieder die Grenze (Schweiz).

Einer Teerstrasse folgend gehen wir durch Riedern und weiter, auf einem breiten Waldweg, Richtung Hemmenhofen. Kurz hinter dem Grenzschild biegen wir links ab und mit Hilfe der Wegtafeln spazieren wir in Richtung Burg Hohenklingen. Hier hat man am zum Schluss hin zwei Möglichkeiten auf die Burg zu kommen. Der kurze Weg ist  steil und stark von Baumwurzeln durchzogen. Deshalb entscheiden wir uns für den längeren Weg zur Burg. Wer nicht auf die Burg möchte, hat auch etwas unterhalb  eine Grillstelle und eine tolle Sicht auf die schweizer Stadt Stein am Rhein. 

Wir haben bereits ca 12 km  hinter uns und müssen an den Abstieg denken. Die Strasse lockt uns nun wahrlich nicht, darum benutzen wir die steile Treppen direkt runter in das schöne Städtchen, unser Ziel.  Man gelangt direkt an den Fluss Rhein. Von dort gibt es  gute Verkehrsanbindungen mit Bus und Bahn  oder Schiff. Wir schnappen uns den Bus nach Rielasingen. Nach 5 Stunden (mit Pause) lade ich einen glücklich dreinschauenden 84-jährigen Herrn bei seiner Frau ab. Fertig wie ein Schnitzel aber glücklich… Laut Erzählungen gab es kostenlos einen guten Schlaf und Muskelkater am nächsten Tag.

Auch ich konnte wieder dabei was lernen… Die Bedeutung der Grenzsteine war bisher ein Rätsel für mich. Hier nun die Auflösung eines ehemaligen Zöllners:

In diesem Beispiel: CS  H  steht für Kanton Schaffhausen in Helvetia. 1839 wurde er errichtet und die Nummer des Steines ist fortlaufend. Auf dem Stein gibt es noch ein>, die die Richtung der Grenze angibt…

 

 

Dieser Tag mit meinem dickköpfigen Herrn hat mich wieder dran erinnert, dass man alte Menschen selbst entscheiden lassen sollte, was sie tun. Einfach unterstützen und einen schönen Tag erleben. Und er hat es souverän geschafft! Danke.

 

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Mobil, agil und dement…

Demenzkranke Menschen kommen teilweise auch in den Genuss einer MRT (=Magnetresonanz-Tomogaphie).  Häufig ist vor allem das Kurzzeitgedächtnis bei diesen Patienten angeschlagen. Da fällt es natürlich schwer, die Untersuchung von 30 Minuten einfach so über sich ergehen zu lassen. Heute war es wieder soweit:

  • Ich:“Guten Morgen Frau/Herr  Sowieso. Mein Name ist Martina und ich mache die Untersuchung bei Ihnen…“ Die Untersuchung wird genau erklärt. Ebenso der Sinn des venösen Zuganges..
  • Pat.: „Ah gut.“

Ich lagere den Pat. und bereite alles vor. Ekläre den Ablauf.

  • Pat.:“ Was machen Sie?“
  • Ich:,,,( erkläre nochmals alles)
  • Pat. :“ Ah gut“

Untersuchung beginnt. Pat. benutzt Alarmknopf.

  • Pat. :“ Hier ist es so laut. Was machen Sie mit mir?“
  • Ich :…( Erkläre nochmals alles)
  • Pat. „Ah gut.“

Untersuchung läuft weiter. Pat. benutzt Alarmknopf.

  • Pat.:“ Hier ist es so laut. Warum habe ich eine Nadel im Arm?“
  • Ich.: (Schnauf)…( Erkläre verkürzt)
  • Pat.:“ Ah gut.“

Das geht noch etwa 5 mal so. Die Untersuchungszeit verdoppelt sich und mein Nervenkostüm wird merklich dünner.Seltsam, dass der Alarmknopf nie vergessen wird. Untersuchung doch noch  fertig geschafft.

  • Ich :“ Frau/Herr Sowieso. Sie haben es geschafft. Toll gemacht.“
  • Pat.:“ Wer sind Sie denn? Sie müssen sich schon vorstellen, wenn Sie was mit mir machen. Wozu brauche ich überhaupt diese Nadel im Arm?“
  • Ich: …(Entschuldige mich höflich- schnauf)
  • Pat.:“ Das ist ja unverschämt. Stellt sich nicht vor und lässt einfach das Radio laut an.“

Mit wehenden Haaren und einem fast rausgerissenen Venflon (das ist der venöse Zugang) stürmt Sie Richtung Ausgang.

Patient schliesslich  fertig untersucht, eingeholt und  und in andere Obhut gegeben.

  • Ich.: (drehe mich orientierungslos um die eigene Achse)“Aeh. Was mache ich hier? Was wollte ich nun tun?“

upps… brauche ich etwa auch ein MRT???

Generationenaustausch

„Ein Verdauungsspaziergang, solange noch die Sonne scheint…“

– das waren die Worte meines 84jährigen Dads, als ich meine Eltern einen Besuch abstattete. Warum nicht. Mit Humor nimmt er die Spuren der Zeit, die nicht an ihm vorbeigingen. Beim Schuhe anziehen wird die Luft angehalten. Das Erinnerungsvermögen lässt ihn 10 Minuten die Mütze suchen. Die Handschuhe sind irgendwo bei den Stöcken, die er extra für die Spaziergänge mit Jüngeren kreiert hat. Alte Skistöcke aus den 70’ern, die mit Gummipfropfen aufgepimpt wurden. Damit kann er sich vorwärts schieben. Auf dem Weg begegnet uns eine Familie. Der Vater schiebt stolz den Kinderwagen. Mein Vater bleibt stehen und schaut ihnen lächelnd hinterher.

„Weisst Du Mädel, das ist schön. Zu meiner Zeit brachten sich die Väter nicht ein. Das war verpönt. Die Zeit mit den Kindern beim Spielen zu verbringen, war eine Seltenheit und es dauerte eine Weile, bis sich auch die anderen Väter aus dem Dorf trauten, das Kind im Manne rauszulassen“

Der Spaziergang war kurzweilig. Seinen Erzählungen höre ich immer wieder gerne zu. Auch wenn die Vergesslichkeit zunimmt; viele Geschichten schon zum zweiten Male wiedergeben wurden  oder die Namen der Kinder vertauscht werden…

Nach 2 Stunden erreichen wir wieder das warme Zuhause. Mein Vater ist müde, aber die Augen leuchten. Und wieder denke ich, dass ich eigentlich viel zu wenig bei Ihnen bin. Denn die Erzählungen, Erinnerungen und Ansichten sind von Menschen, die die Welt anders kennengelernt haben. Die Sorgen sind andere und die Prioritäten haben sich verändert. Das bringt Nähe und ist zudem oft spannend, komisch oder manchmal doch weit entfernt..

Und trotz der Mühe mit der Zeit (und Technik) mitzugehen, bin ich immer wieder überrascht mit welcher Toleranz und Neugierde viele Dinge betrachtet werden. Tränen lachten wir, als ich ihm das Internet versuche zu erklären. Begeistert guckt er sich die Facebookbilder meiner „Freunde“ an und staunt über die Posts und Kommentare.

Einen Gang zurückschalten und sich auf die Alten einlassen. Das ist Gewinn für beide Parteien!