Wanderung am Lago Maggiore, als facile zu difficile wurde

Kurzurlaub mit dem Motorrad von Konstanz nach Cannobio am Lago Maggiore in Italien. Herrlich. Im Gepäck Wanderstöcke, da ich mich nach stundenlangem Fahren auf Bewegung freue und meinen lieb gewonnen Mitstreiter.

Im Urlaub geniesse ich die Möglichkeit länger zu schlafen und mir beim Aufwachen einige Stunden Zeit zu geben. Stressfrei den Tag beginnen zählt zu meiner Lieblingstätigkeit . Der einzige Nachteil bei dieser Aktion ist allerdings, dass längere Wanderungen nicht drin sind. Für 2 Euro kaufe ich mir am Campingplatz eine Wanderkarte, die einige Wandervorschläge beinhaltet, um einen entspannten Nachmittagsspaziergang zu absolvieren. Das ist der Plan. So entscheiden wir uns  vorerst auf den nebenliegenden Hügel nach Marcalone über St. Agata zu gehen. Die Gehzeit von Cannobio (Orrido  di St. Anna) aus wird mit ca 2 h 45 min angegeben.  Danach können wir uns weiter entscheiden. Alles offen lassen und geniessen.

So starten wir entgegen jeglicher Vernunft  in der Mittagshitze so gegen 11 Uhr.  Hinter der Kirche in Cannobio finden wir endlich den Zuweg, der auf die Strecke führt. Zum Glück führt der Weg durch den Wald und bringt den roten Kopf nicht ganz  zum gerinnen. Die merkliche Steigung wird durch Konzentration entschärft, die man mittags und mit vollem Bauch halt so beim schmalen Steinweg braucht. Und schon kommen wir nach gut 1,5 Std. Laufzeit  in Sant Agata, an einem süssen Bergdörfchen raus. Am Ausblickplatz gibt es eine kleine Bar, in der wir gerne etwas trinken und uns von der gemütlichen Langsamkeit, die um uns herrscht, anstecken zu lassen. Also laufen wir weiter nach Marcalone. Unterwegs treffen wir wenige Menschen. Der abwechslungsreiche Weg führt idealerweise immernoch durch den Wald und nach weiteren 1.5 Std. kommen wir in Marcalone an. Das wunderschöne typische Bild. Einige Steinhäuser, die sich  eng am Hang anschmiegen mit ihren Minigässchen. Hier erwartet und ein Ueberraschung: Agriturismo Marcalone:  Ein Restaurant, das mit einer super Aussicht aufwartet und dazu noch eine tolle Küche anbietet. Nach einer Stunde Tiefenentspannung ein Blick auf die Uhr. 14:30 Uhr. Hmm. Noch gute 6 Stunden Zeit, bis es dunkel wird. Ein Blick auf die Karte und die Entscheidung steht. Es soll einen leichten  Wanderweg von 2.10 Std. von Marcalone-Valmugiano-Prati d“Agro geben. Wir entscheiden uns für Marcalone-Valmugiano-S.Bartolomeo in Montibus-Cinzago-Cannobio. Geschätzte Zeit 4 Stunden. Wir finden kein Schild, dass die Richtung zeigt, aber ein Gast des Restaurants erinnert sich, dass es da wohl ein Weg nach Valmugiano gebe…Schon dieser Satz hätte mich stutzend machen sollen….

Von wegen FACILE!!  Eine ausgewaschene Wegmarkierung zu finden, ist reiner Glücksfall. Und wegweisende Schilder sind entweder verbogen, oder gänzlich abgeschraubt.  Der FACILE-Weg mauserte sich zu einem DIFFICILE-Weg, der mich an den Rand des Wahnsinns bringt. Steile, zum Teil ausgesetzte Pfade bringen mich an den Rand des Wahnsinns, da wir nicht wirklich wissen, ob wir uns überhaupt auf dem richtigen Weg befinden. Verlaufen wäre ziemlich ungeschickt, da nur noch Gegende ohne Zivilisation vor uns sind. Und diesen Weg möchte ich definitiv nicht im Dunkeln laufen… Mist!

Nach 2 Std. gönnen wir uns eine Pause. Der schon weitgereiste Müsliriegel und ein Apfel, sowie Speck retten uns und bringen vor allem mich wieder zum Durchatmen. Na gut. Hyperventilieren bringt hier auch nichts. Den Begleiter anmotzen ist auch nicht so der Knaller. Also lächeln und weiter geht es. Endlich ein Schild. Valmugiano. Meine Hoffnung, hier event. einen Kaffee trinken zu können, schwindet jämmerlich dahin. Den Valmugiono besteht aus zwei zerfallenen Steinhäuschen. Jepp. Und nicht mehr. Dann eine Kreuzung, mit einer Stange, an der vermutlich irgendwann mal diverse Schilder hingen. Aaarrghh. Um uns nur mannshoher Farn, der keinen Ausblick/Überblick gewährt. Grob geschätzt sollte es nun links gehen. Schluck. Durch das Farn walzend kommen wir an den Wald und finden eine frisch gepinseltes rot-weiss-rot-Wanderzeichen. Herrlich. Beschwingt kann ich mich nun wieder der Natur widmen. Die Sonne steht schon tief, aber ich habe keine Angst mehr.  St. Bartolomeo umkreisen wir planlos, ohne die Kapelle zu finden, denn es gibt scheinbar viele Wege hier, die in bescheidenen 2-Euro-Wanderkarte nicht eingezeichnet sind. Dann endlich Cinzago, eine hübsche Häuseransammlung mit duftendem Jasmin und anderen Blümchen. Es beginnt zu dämmern, aber mit dem Blick zum Lago Maggiore fühle ich mich sicher. Im schlimmsten Fall hängen wir halt eine Nachtwanderung dran. Den Blick auf kleine Pfade getrimmt, entdecken wir zum Glück die Abzweigung nach Cannobio, die wohl auch schon lange niemand mehr gegangen ist und landen eine Punktlandung. Kurz vor Anbruch der Dunkelheit kommen wir am seenahen Teil von Cannobio raus und als wir unser Zeltplatz in Traffiume (Teil von Cannobio) betreten, ist es dunkel.

 


 

 

Fazit:

  • Diesen „Spaziergang“ verbuche ich stolz unter Tageswanderung!
  • Den Italiener traue ich, was die Wegbeschreibung anbelangt, nicht mehr über den Weg. Italien werde ich nur noch mit super Wanderkarten betreten! Das aber bald 😉

2-euro-wanderkarte

 

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Martina

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