widersprüchlich: besinnliche Adventszeit im Spital

Es ist Advent. Eigentlich sind diese 4 Wochen dazu gedacht, um runterzukommen. Etwas Ruhe zu finden, um sich auf Weihnachten vorzubereiten. Kein Trubel, kein Stress.

ABER DAS IST UTOPISCH!

 

Die Menschen drehen vor Weihnachten völlig durch. Das Krankenhaus quillt über.

Das Klientel:  

  1. Die  Kranken und Verletzten
  2. Die Leidenden: Unter dieser Kategorie zu finden sind:  Männerschnupfen,  hohes Fieber von 37.5C. etc.
  3. Die Berechnenden: Das sind Menschen, die teilweise unverschämt und mit Lügen Druck ausüben, um noch alle Untersuchungen/Eingriffe im alten Jahr erledigen zu können. Das macht man, wenn die Jahresfranchis im laufenendem Jahr schon abbezahlt ist und nun die meisten Krankenhauskosten von der Krankenkasse übernommen wird.
  4. Psychisch Kranke: Arme Menschen, denen der Weihnachtstrubel zusätzlich zusetzt und nun mit psychosomatischen Problemen das Krankenhaus aufsuchen.
  5. Notfälle, die als solches deklariert werden, obwohl sie keine sind (z.B. zwickendes Knie seit 8 Monaten), weil der Patient in Urlaub möchte oder der Hausarzt über die Feiertage geschlossen hat. Da kann man natürlich nicht noch 3 Wochen länger warten.
  6. Patienten, die vor Weihnachten entlassen werden möchten und alle Formalitäten und Untersuchungen, sowie Therapien im Sauseschritt dazu benötigen.

Klar, diese sind das ganze Jahr anzutreffen, aber vor allem die Anzahl der Patienten der Kategorie 2-5 steigt  um das Jahresende rapide an.

Die Stimmung ist gestresst und kann nur bedingt durch besinnliche Events aufgefangen werden. Ganz grotesk war heute z.B. die Situation, dass ein Minichor uns eine Freude machen wollte und in der Röntgenabteilung ein Ständchen sang. Doch niemand konnte innehalten und zuhören. In einem Röntgenraum schrie ein Kind, durch den Gang wetzte ein Rea-Team und das Röntgenpersonal schob sich an den Sängern vorbei, um die entnervt wartenden Patienten abzuholen.

Überstunden sind an der Tagesordnung und es fällt schwer den Schalter nach Feierabend auf „Slow-down “ zu stellen.

Die Adventszeit in meiner Kindheit ist geprägt von vielen wundervollen Momenten bei Kerzenschein. Klingt richtig kitschig, ich weiss, aber für mich wertvoll genug, um es jedes Jahr anzustreben. Vielleicht das nächste Jahr. Seufz.

Nun steht Weihnachten vor der Tür . Ich bin optimistisch, dass ich es wenigstens hier schaffe kurz innezuhalten. Ich darf die  Tage mit meinen Lieblingsmenschen verbringen….(weihnachten in der Familie)

Allen Weihnachtsgestressten eine dicke Umarmung.

 

 

 

 

 

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Martina

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