Nebenbei noch Zimmer zu vermieten. Ein Biohof lädt ein.

Ich war froh, dass während der Urlaubszeit spontan eine kostengünstige UND freie Unterkunft zu finden war.  Zwar lässt schon die Internetseite erahnen, dass es etwas anders sein wird, als ich es gewohnt bin. Aber so?

Ein Bauernhof mit dem Bio-Demeter-Siegel. Klasse. Hört sich gut an. Der Hof wirbt mit toller Lage am Waldesrand und spricht die Ruhesuchenden an. Auch gut. Das waren die einzigen Infos, die zu einem unscharfen Bild des Hofes geschrieben sind. 5 Zimmer mit Mitbenutzung der Küche  und ein Appartment sind buchbar.

Schon bei der Ankunft ist der erste Eindruck nicht der beste. Das Haupthaus ist alt und von starken Gebrauchsspuren geprägt. Renovationen liegen sichtbar schon lange zurück. Auf der grossen Terrasse ist nur ein Wäscheständer, eine defekte Tischtennisplatte und ein abgebrochener Schirmständer zu finden.  Schade, denn mit etwas Pflege und wenig Aufwand könnte hier ein hübsches  Ruheplätzchen für die Gäste gestalten werden. Das ich  nicht sofort den Rückzug anbreche liegt an der Tatsache, dass hier im Val Venosta /Südtirol, die Wettervorhersage für die nächsten Tage etwas Sonne verspricht. Dann lass ich mich also ins Zimmer führen und atme erleichtert auf. Das Zimmer mit Balkon ist sauber und gross. Zwar ist das Inventar vermutlich aus den 60er-Jahren, aber das Bett ist relativ neu und die Wäsche ok. Ein selbstgebasteltes „paper“ mit einem „Willkommen“ liegt vor mir. Das verschnibbelte Papier stellt sich beim genauen Betrachten als ein stabiles Kalenderblatt aus dem Jahre 2008 dar. Aha.

Die Nächte sind Horror. Denn die Nachtruhe wird durch ständiges bsssss…..klatsch….aua….surrr…..surrr…bsss gestört. Massenhaft Schnaken! Die vielen Punkte an der Wand beweisen, dass schon einige Gäste hier schlaflose Nächte verbracht haben. Waldnah halt…Argghh.. ( ob ein Insektengitter am Fenster nicht bio genug ist?)

Dann lernen wir die Familie dort kennen und staunen nicht schlecht. Eine herzliche und sympathische Familie, die mit sich im Frieden lebt.  Eine bodenständige Familie, die gelassen und glücklich wirkt. Trotz der vielen Probleme, mit denen der Obstbauer dieses Jahr zu kämpfen hat. Die Kirschessigfliege, das nasse Wetter, die fehlende Sonne… enorme Ernteeinbussen sind vorprogrammiert. Und doch lachen sie unbeschwert und nehmen sich nebst der Hofarbeit Zeit für ihre Hobbys: Pfeffermühlen drechseln, Wolle filzen, leckere Marmelade kochen oder Kuchen backen. Oder Wein keltern.

Zum Frühstück in der Gästeküche stehen immer frische Leckereien. Allerdings wollen diese Herzlichkeiten nicht so wirklich in diese lieblose und teilweise schmuddlige  Umgebung passen. Ich kann nur erahnen, dass sie sich verzetteln. Jede ihrer Tätigkeiten ist zeitintensiv.  Da bleibt keine Zeit mehr, die touristische Sparte zu gestalten und aufzubauen. Reine Vermutung. Aber irgendwie schade.  Diese nette Familie hat mir einen Anstupser gegeben, Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen und vieles zu relativieren.  Aber bei meiner nächsten Suche nach einer Unterkunft in Südtirol wird meine Wahl nicht mehr auf sie fallen. Alles Gute liebe Familie P.

 

 

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Martina

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